Mögliche Komplikationen

Durchfall, Darmverstopfung

Die Komplikationen bei der enteralen Ernährung können verschiedene Ursachen haben, unterschieden wird in:

  • Sondenbedingte Komplikationen; hier insbesondere die Entzündung und die Verstopfung der Sonde
  • Gastrointestinalbedingte Komplikationen; hier insbesondere Übelkeit, Würgereiz, Völlegefühl, Erbrechen, Obstipation, Diarrhoen
  • Stoffwechselbedingte Komplikationen; hier insbesondere die Milcheiweißunverträglichkeit und die Hyperglykämie
  • Krankheitsbedingte Komplikationen; hier insbesondere Organerkrankungen, Infektionen und Arzneimittelnebenwirkungen
  • Anwendungsbedingte Komplikationen; hier insbesondere die Kontamination von Sondennahrung und/oder Applikationstechnik, zu kalte Verabreichung, zu schnelle Verabreichung und/oder zu große Nahrungsportionen

Was ist Durchfall?

Durchfall ist keine Krankheit im eigentlichen Sinn, sondern ein Symptom. Es wird von Durchfall gesprochen, wenn die Stuhlentleerung häufiger als dreimal täglich stattfindet, wenn sich die Stuhlbeschaffenheit (Konsistenz) verändert, sodass der Stuhl flüssig ist, und/oder wenn die Stuhlmenge vermehrt ist (mehr als 250 g täglich). Dauert der Durchfall bis zu zwei Wochen, wird von akuter Diarrhoe gesprochen. Bei Durchfällen, die länger als zwei Wochen dauern, spricht man von chronischer Diarrhoe.

Eine Diarrhoe im Rahmen der enteralen Ernährungstherapie kann aufgrund verschiedener Faktoren auftreten. Umso wichtiger ist es daher, die Ursache von Durchfällen zu erkennen, ihnen vorzubeugen bzw. sie zu beheben. Auslöser für Diarrhoen können z.B. Medikamente, Infektionen, aber auch die Grunderkrankung sein. Zunächst sollten daher diese Faktoren, die gegebenenfalls nicht mit der Sondenernährung unmittelbar zusammenhängen, ausgeschlossen werden.

Mögliche Ursachen sind:

  • Medikamente
    Antibiotika stehen an erster Stelle für Auslöser von Durchfall. Sie bewirken eine Zerstörung und Veränderung der bakteriellen Darmbesiedelung. Ein weiterer Auslöser für die Entstehung von Diarrhoe sind Zytostatika (Chemotherapie) und magnesiumhaltige Antazida. Nach ärztlichem Ermessen sollten solche Medikamente – wenn irgend möglich – abgesetzt oder in einer anderen Applikationsform zugeführt werden.
  • Grunderkrankung
    Bestimmte Grunderkrankungen stellen an sich einen Risikofaktor für Durchfälle dar. Dazu gehören unter anderem, ein Eiweißmangel, ein schlecht eingestellter Diabetes, entzündliche Veränderungen im Magen-Darm-Trakt (Morbus Crohn), und Verkleinerungen der Resorptionsfläche (Resektionen, Kurz-Darm-Syndrom). Sofern eine kausale Therapie nicht oder nur bedingt möglich ist, sollte hier auf eine besonders sorgfältige Auswahl des indikationsgerechten Substrats (z.B. niedermolekulare Oligopeptiddiät), das vorsichtige Einschleichen und auf eine langsame Zufuhr geachtet werden.
  • Anwendungsbedingt
    Sind alle krankheits- oder medikamentenbedingte Einflüsse berücksichtigt worden, sollten mögliche Fehlerquellen bei der Sondenernährung beseitigt werden. Zur Vermeidung von Durchfällen muss die Sondenernährung zunächst vorsichtig mit der Einschleichphase begonnen werden. Bei der Auswahl des Substrats sind folgende Faktoren besonders wichtig:
    • Niedriger Lactosegehalt
    • Physiologische Osmolarität (< 400 mosmol/l)
    • Indikationsgerechtes Substrat

Die Applikation sollte weiterhin nicht zu kalt (nicht unter Raumtemperatur) und nicht zu schnell (keine Blasenspritze) erfolgen. Auf eine hygienische Arbeitsweise und Anwendung sollte geachtet werden, da auch eine Kontamination der Nahrung oder des Beutels Durchfall auslösen kann. Hierzu gehört auch der tägliche Wechsel der Applikationssysteme und die Aufbewahrung angebrochener Flaschen verschlossen im Kühlschrank. Sondennahrungen aus Flaschen sollten bei Zimmertemperatur nicht länger als acht Stunden hängen und in dieser Zeit aufgebraucht werden.

Was ist Verstopfung (Obstipation)?

Obstipation ist die akute oder chronische Verstopfung des Darmes. Ursachen sind krankhafte Veränderungen des Darmes, Fehlernährung, mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Stoffwechselstörungen oder Störungen des Elektrolythaushaltes (häufig Kaliummangel).

Eine Obstipation im Rahmen der enteralen Ernährungstherapie kann aufgrund verschiedener Faktoren auftreten. Häufig leiden Betroffene, dieenteral ernährt werden, aufgrund ihrer Grunderkrankungen an der so genannten Kologenen Obstipation.

Die kologene Obstipation ist eine Form der chronischen Verstopfung, die auch unter dem Begriff „Slow-transit-Obstipation“ bekannt ist. Durch mangelnde Beweglichkeit des Darms wird der Darminhalt nur langsam vorwärts bewegt. Da dem Darminhalt ständig Wasser entzogen wird, entsteht harter Stuhl.

Die Ausscheidung kann dadurch um bis zu 2 Wochen verzögert sein, verbunden mit

  • Bauchschmerzen
  • Völlegefühl und Blähungen
  • Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Störungen des Allgemeinbefindens

Mögliche Ursachen sind:

  • Sondennahrung ohne und/oder zu wenig Ballaststoffe
  • Flüssigkeitsmangel
  • Bewegungsmangel
  • Nervenstörungen im Nervengeflecht des Darms, in der zentralen Nervensteuerung oder durch neurologischen Erkrankungen
  • Morbus Parkinson
  • Diabetes Mellitus
  • Multiple Sklerose
  • Muskuläre Störungen und Bindegewebserkrankungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten

Bei der kologenen Obstipation ist die Ursache ein träger Darm, der mit osmotischen (Lactulose) oder motilitäts- und sekretionsbeeinflussenden Abführmitteln angeregt werden kann. Ist die Ursache der Obstipation dagegen Ballaststoffmangel, eignen sich Füll- und Quellstoffpräparate.

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