11. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

„Eine gute Versorgung schwerkranker Menschen in ihrer letzten Lebensphase sollte frühzeitig, multiprofessionell, vernetzt und für alle leicht zugänglich sein“, fasst Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), die Ziele der Fachgesellschaft zusammen, mit deren Ausgestaltung sich seit heute über 1.500 Teilnehmer beim 11. Kongress der DGP in Leipzig befassen.

„Qualität braucht Miteinander, Mut und Kompetenz“ steht über der dreitägigen Veranstaltung, deren Themenschwerpunkte wie „Selbstbestimmung am Lebensende“,  „Palliativversorgung von Menschen aus fremden Kulturen“ oder auch „Sterben in stationären Pflegeeinrichtungen“ bereits das Spektrum und die Notwendigkeit eines intensiven interdisziplinären Austausches erahnen lassen.

Dabei kommt nach den Worten eines der drei Kongresspräsidenten Prof. Dr. Winfried Meißner, Universitätsklinikum Jena, der Sicherung von Qualität besondere Bedeutung zu. Entsprechend wurde der Kongress heute mit einem Vortrag von Prof. Dr. Claudia Bausewein, München, zu den Chancen und Risiken der kürzlich unter Federführung der DGP veröffentlichten „S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“ eröffnet. Doch Qualität findet nicht allein auf einer Ebene von Forschung und Leitlinien statt, erläutert Meißner: „Die Qualität der Palliativversorgung sollte auch und insbesondere aus der Perspektive des Patienten und der ihm nahestehenden Menschen betrachtet werden.“

„Palliative Versorgung findet nicht erst am Lebensende statt, sondern ist integraler Bestandteil einer guten medizinischen Betreuung in fortgeschrittenen Erkrankungssituationen“, erklärt PD Dr. Ulrich Wedding, Kongresspräsident, Universitätsklinikum Jena. Ein frühzeitiges Miteinander mit benachbarten Disziplinen und Professionen ist dabei wesentlich: In Anbetracht schwerwiegender Tumorerkrankungen ist insbesondere die Integration von Onkologie und Palliativmedizin essentiell. Warum, wie und wann das wichtig ist, dies erläutert Prof. Dr. Florian Lordick aus Leipzig im Rahmen einer Plenarveranstaltung. Aber auch Intensivmedizin und Palliativmedizin sollten sich für eine gute Versorgung von Patienten und Angehörigen vernetzen. Fachübergreifend thematisiert der Kongress: Wie kann die Palliativversorgung von hämatologisch, pulmonologisch, neurologisch und kardiologisch Erkrankten sowie von geriatrischen und multimorbiden Patientinnen und Patienten gut im Miteinander der Disziplinen gewährleistet und verbessert werden?

„Hospizarbeit und Palliativversorgung sind gefordert, in engem Miteinander Schnittstellen zu überbrücken und neue Aufgabenfelder zu erschließen.“ bringt es Andreas Müller als dritter Kongresspräsident, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, auf den Punkt. Es gehe nicht vorrangig darum, ein angemessenes Konzept für bestimmte Altersgruppen oder Erkrankungen zu entwickeln, sondern darum, den einzelnen schwerkranken Menschen mit seinem Bedarf an Symptomlinderung, aber auch mit seinen psychosozialen und spirituellen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen. Mit dieser Haltung können Kinder ebenso wie hochbetagte Menschen behandelt und gemeinsam mit den ihnen nahestehenden Menschen begleitet werden. In Krankenhaus- oder Praxisabläufen kann dies oft nur schwer geleistet werden. Dringend erforderlich ist die aktive Koordination und Abstimmung z.B. zwischen ambulanter und stationärer, allgemeiner und spezialisierter Versorgung, fach- und allgemeinärztlicher Behandlung, Hospizarbeit und Palliativversorgung, Haupt- und Ehrenamt. Dass dies Mut und einen langen Atem erfordert, wird zum Beispiel im Vortrag von Frau Prof. Jeanne Nicklas-Faust deutlich: „Versorgungsgerechtigkeit am Beispiel von Menschen mit Beeinträchtigungen.“

„Schwerpunktmäßig standen die zwei Jahre seit dem 10. Kongress im Zeichen der Kommentierung und Ausgestaltung des Hospiz- und Palliativgesetzes“, blickt DGP-Präsident Lukas Radbruch zurück: Die wissenschaftliche Fachgesellschaft habe sich in eine Reihe von Stellungnahmeverfahren eingebracht, die einzelnen Schritte innerhalb der DGP und in der Öffentlichkeit transparent kommuniziert, in diversen Gesprächen, Sitzungen und Veranstaltungen die Brücke zwischen Forschung, Praxis und Politik geschlagen. Die Palliativdienste sind  ein Beispiel für den Erfolg dieser kontinuierlichen Bestrebungen. Deshalb begrüßt es Radbruch sehr, dass Michael Brand, MdB, beim Kongress der DGP den Schlusspunkt setzen wird: „Was ist zum Gelingen einer guten Palliativversorgung aus Sicht der Gesetzgebung notwendig? Ein Plädoyer für den verstärkten Austausch zwischen Parlament und Praxis“.

Auch Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe, begrüßt den verstärkten Fokus der Politik auf die Palliativmedizin: „Auf das im vergangenen Jahr vom Bundestag verabschiedete Hospiz- und Palliativgesetz haben wir lange gewartet. Es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt gilt es, das Gesetz im Sinne einer qualitätsgesicherten, flächendeckenden Palliativmedizin adäquat umzusetzen. Denn nach wie vor gibt es bundesweit noch keine flächendeckende optimale palliativmedizinische Versorgung. Gerade in ländlichen Regionen kann der Wunsch nach einer palliativen Begleitung auf hohem Niveau oft nur schwer erfüllt werden. Diese Versorgungslücken gilt es zu schließen. Besonders im Hinblick auf eine immer älter werdende Bevölkerung wird der Bedarf an einer hochwertigen palliativmedizinischen Versorgung weiter steigen. Darauf muss unser Gesundheitssystem vorbereitet sein.“

Die Kongresspräsidenten freuten sich außerdem besonders über das Grußwort von Staatssekretärin Andrea Fischer im Namen der sächsischen Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch zur Eröffnung des 11. Kongresses der DGP in Leipzig. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte als Schirmherr des Kongresses in seinem Videogruß in Bezug auf eine gute Versorgung in der letzten Lebensphase unterstrichen: „Unser Anspruch muss es sein, dass die Menschen wissen, was heute möglich ist. Vor allen Dingen muss es unser Ziel sein, die mögliche Versorgung überall in diesem Land zur Verfügung zu stellen.“

Quelle: Deutsche Krebshilfe