Bisher höchste Anzahl an Transplantationen in 2010

Noch nie konnte in Deutschland so vielen Patienten mit einer Transplantation geholfen werden wie im vergangenen Jahr. Die Zahl derjenigen, die nach ihrem Tod andere Menschen mit einer Organspende gerettet haben, ist im Jahr 2010 bundesweit um 6,5 Prozent gestiegen. 1.296* Menschen haben nach ihrem Tod Organe gespendet. Das sind 79 Spender mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Organspender pro eine Million Einwohner hat sich damit gegenüber 2009 von 14,9 auf 15,9 erhöht. Vor allem die Zahl der gespendeten Organe stieg deutlich von 3.897 auf 4.205. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4.326 Transplantationen durchgeführt, 2009 waren es noch 4.051. Damit haben sowohl die Zahl der gespendeten Organe als auch die der Transplantationen einen neuen Höchststand erreicht.

“Nach dem Einbruch der Organspendezahlen 2008 und dem Stillstand 2009 geht es nun wieder aufwärts. Dies stimmt uns zuversichtlich, denn mit jeder Organspende retten wir Menschenleben. Diesem Ziel gilt unser Engagement und unser Einsatz – jeden Tag. Die Entwicklung der Organspendezahlen in 2010 zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind’, erklärt Prof. Dr. Günter Kirste, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

Optimistisch stimmen den Mediziner vor allem die positiven Entwicklungen in einigen Regionen Deutschlands. Als Beispiel führt er die DSO-Regionen Mitte und Nord an, in denen die Zahl der Organspender um über 45 bzw. 11 Prozent gestiegen ist. “Dies zeigt uns, dass auch hierzulande genügend Potential vorhanden ist, um die Organspendezahlen vergleichbar wie in anderen Ländern noch weiter zu steigern’, folgert Kirste.

Wichtiger, als über neue Gesetze zu diskutieren, sei es deshalb, dass sich alle beteiligten Institutionen und Gesundheitspartner für die Organspende und damit für die 12.000 Patienten auf der Warteliste einsetzen und ihre Aufgaben verbindlich erfüllten. So sollten die Rahmenbedingungen zur Meldepflicht der Krankenhäuser bundesweit vereinheitlicht werden, damit die Länder ihrer Überwachungsaufgabe entsprechend nachkommen, fordert DSO-Vorstand Kirste und ergänzt: “Potentielle Organspender müssen verlässlich erkannt und deren Wille umgesetzt werden. Deshalb brauchen wir mehr Verbindlichkeiten für alle Partner im System und mehr Kompetenzen für die DSO, um nicht erst auf Zuruf tätig werden zu können.’

Das 2010 in den Krankenhäusern gestartete Pilotprojekt Inhousekoordination geht einen ersten Schritt in diese Richtung. Mittlerweile beteiligen sich 113 Universitätskliniken und Krankenhäuser mit neurochirurgischer Intensivstation an dieser Maßnahme. Konkrete Ergebnisse liegen laut DSO-Vorstand Dr. Thomas Beck jedoch erst Ende 2011 vor.

In der Öffentlichkeit habe im vergangenen Jahr die Nierenspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Frank-Walter Steinmeier für große Anteilnahme gesorgt und damit auch die öffentliche Diskussion über Organspende neu angestoßen, erklärt der Kaufmännische DSO-Vorstand Beck. Er betont, nun gelte es, die Weichen richtig zu stellen – politisch und gesellschaftlich. “Die Organspende geht uns alle an, daher appellieren wir an jeden Einzelnen, sich seiner Verantwortung bewusst zu werden und eine Entscheidung zur Organspende zu treffen’, so Beck.

Die DSO ist die bundesweite Koordinierungsstelle für Organspende. In der Akutsituation Organspende begleitet sie alle Abläufe: Von der qualifizierten Feststellung des Hirntods über das Gespräch mit den Angehörigen, medizinische Maßnahmen zur Erhaltung von Organen und zum Schutz der Organempfänger, die Übermittlung der Spenderdaten an Eurotransplant bis hin zum Organtransport in die Transplantationszentren. Sie unterstützt die rund 1.400 Krankenhäuser mit Intensivstationen dabei Organspenden durchzuführen und stimmt die Zusammenarbeit mit der internationalen Vermittlungsstelle für Spenderorgane (Eurotransplant) und den rund 50 Transplantationszentren in Deutschland ab.

* alle Zahlen aus dem Jahr 2010 sind vorläufige Zahlen

Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation