Bremer Wundkongress – Gemeinsam für die beste Versorgung

(Bremen) Vom 8. bis zum 10. Mai 2019 findet im Bremer Congress Centrum der 13. Deutsche Wundkongress statt. Die Veranstaltung gilt als eine der größten zum Themenkomplex der Wundversorgung weltweit. Der DeWu lockt jedes Jahr 4.000 Angehörige der verschiedenen Berufsgruppen, die mit Therapie und Pflege von Menschen mit chronischen Wunden befasst sind, in die Hansestadt. Das Kongressprogramm setzt daher gleichermaßen auf wissenschaftliche und praxisnahe Beiträge. In diesem Jahr präsentiert die GHD GesundHeits GmbH Deutschland einen interdisziplinär besetzen Programmpunkt unter dem Motto „Gemeinsam für die beste Versorgung“.

In einem Satellitenworkshop erläutern die Fachexperten Kerstin Protz und Werner Sellmer am zweiten Kongresstag Aspekte der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden. Kerstin Protz ist Projektmanagerin Wundforschung am Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In ihrem inzwischen in der neunten Auflage erhältlichen Fachbuch „Moderne Wundversorgung“ stellt sie die Grundlagen der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden dar und erläutert weiterführende Aspekte. Die ausgefeiltesten Methoden und die modernsten Materialien der Wundversorgung können nicht wirken, wenn der Patient nicht in die Therapie eingebunden ist oder Maßnahmen ablehnend gegenübersteht.

Wenn der Patient nicht will

In Ihrem Vortrag „Wenn der Patient nicht will – Compliance versus Adhärenz“ widmet sich die Hamburger Fachautorin daher dem Themenfeld der Patientenakzeptanz und den Möglichkeiten der Pflegenden und Therapeuten, diese zu entwickeln und zu unterstützen. Sie stellt dabei die Grundlagen der Edukation dar, die dem Betroffenen zunächst ein Verständnis hinsichtlich Krankheit, Therapie und damit zusammenhängender Maßnahmen ermöglicht. Hierbei hilfreiche Informationen lassen sich durch eigenständiges Lesen von Texten bzw. Broschüren oder im persönlichen Gespräch vermitteln. Zudem beleuchtet Protz gleichzeitig die Perspektive der Pflegenden. Auf deren Seite ist die Kenntnis der Bedürfnisse des Betroffenen sowie seine individuellen Schwerpunkte eine wesentliche Basis für die Zusammenarbeit in der Therapie.

Kerstin Protz wird in dem Zusammenhang erläutern, warum man heutzutage nicht mehr von „Compliance“ spricht. Dieser Begriff wurde von der World Health Organisation (WHO) definiert als „Ausmaß in welchem der Patient medizinische Instruktionen befolgt“. Damit liegt bei der Compliance die Verantwortung für den Therapieerfolg allein auf der Patientenseite: Wenn etwas nicht hinhaut, hört der Patient womöglich nicht gut genug zu oder arbeitet gegen die Therapie an. Im erfolgreichen Zusammenwirken von Patient und Behandler ist ein kritikloses Befolgen von Anweisungen allerdings nicht mehr Therapiebestandteil, sondern erweist sich manchmal sogar als kontraproduktiv. Auf Basis abgesprochener Zielvorgaben und entsprechender Aufklärung wird dem Betroffenen im Rahmen der Behandlung stattdessen ermöglicht, ein Verhalten zu entwickeln, das „mit den Empfehlungen übereinstimmt, die er von einer Person aus dem Gesundheitsbereich erhalten und mit denen er sich einverstanden erklärt hat“ – wie die WHO es bereits im Jahr 2003 definierte. In ihrem praxisnahen Vortrag wird Kerstin Protz daher erläutern, woran Hindernisse für die Adhärenz zu erkennen sind, und welche Möglichkeiten es gibt, sie gemeinsam im konstruktiven Zusammenwirken mit dem Betroffenen zu überwinden. Zudem stellt sie Strategien und Methoden vor, wie unter Berücksichtigung der Möglichkeiten und Wünsche sowie Bedürfnisse des Patienten gemeinsam Therapieziele erreicht werden können.

Wirtschaftliche Lokaltherapie?

Der Vortrag von Werner Sellmer wirft die Frage auf: „Lokaltherapie wirtschaftlich – wie geht das?“ Der Fachapotheker und Projektleiter für Wundmanagement in der Zentralapotheke der Hamburger Asklepios Kliniken verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Versorgung von Wundpatienten. Dabei hat er auch immer die ökonomischen Aspekte der lokalen Wundtherapie im Blick. Auf Basis einer adäquaten Kausaltherapie der Grunderkrankung setzt die moderne Wundversorgung Verbandmittel entsprechend der Wundsituation ein. Dem Versorger steht eine Vielzahl an Produkten zur Auswahl – den Überblick zu behalten ist eine Herausforderung. Insbesondere niedergelassene Ärzte müssen Budget im Blick haben. Nicht selten fällt die Wahl auf das kostengünstigste Produkt. Aber was günstig für das Budget ist, ist nicht immer auch günstig für den Therapieverlauf.

Zudem erläutert Sellmer, warum die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden heutzutage mehr beinhaltet, als das gemeinsame Bestehen einer medizinischen und pflegerischen Herausforderung. Pflegende und Therapeuten haben zunehmend Entscheidungen unter kaufmännischen Zwängen zu treffen und müssen entsprechende Strategien entwickeln. So ergibt sich für die Praxis ein Spagat, der möglichst einen Brückenschlag zwischen gewissenhafter Diagnostik und adäquater Ursachentherapie darstellt. Es obliegt den Anwendern zudem, nicht nur Wirkweise und Qualität des nötigen und verwendeten Materials zu kennen, sondern auch dessen Effizienz, die Sinnhaftigkeit von Produktkombinationen und die Kostensituation im Blick zu behalten. Dabei gilt es möglichst mit der Wundauflage und nicht an der Wundtherapie zu sparen. Werner Sellmer wird in seinen Vortrag zudem viele Aspekte rund um die chronische Wunde erläutern und ein ergänzendes Schlaglicht auf die Vielfalt der Wundursachen werfen.

Kennzeichnend für den Deutschen Wundkongress ist seit jeher der spannendende und konstruktive Mix aus interdisziplinär und interprofessionell besetzten Beiträgen, in denen gleichermaßen praxisrelevante als auch wissenschaftlich fundierte Informationen vermittelt werden. Der Programmbeitrag der GHD greift dieses bewährte Prinzip in dem Satellitenworkshop „Gemeinsam für die beste Versorgung“ auf.

Der Workshop findet am Donnerstag, dem 9. Mai 2019 von 14:30 bis 15:30 Uhr im Raum 4 A statt.