Dancing in the Rain: Mit dem Rollstuhl durch Wind und Wetter!

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag authentisch am Rande eines Tornados, zumindest aber in einem formidablen monsunartigen Regenschauer schreiben.

Das Wetter hat nicht mitgespielt. Und nun sitze ich hier auf dem Trocknen, denke über das Wetter nach und mir fehlen die Worte. Warum? Weil Wetter eines dieser Phänomene ist, die wir so gar nicht ändern können und deren Existenz wir am besten doch mit stoischer Gelassenheit hinnehmen. Gleiches sollte auch für allwöchentliche Montage oder alljährliche Herbste gelten. Und wenn wir es einmal geschafft haben, die Existenz dieser Phänomene zu akzeptieren, dann wünsche ich uns allen, dass wir stets die passende Kleidung oder das passende Equipment dabei oder aber, im Falle der Montage, den passenden Job haben. Liebe Leser*innen, zieht Euch warm an, es folgt das Wetter…

Als Kind habe ich es geliebt, mit meinen Freunden oder meinen Geschwistern bei Sonnenschein, Wind, Regen, Schnee und Hagel draußen zu sein. Nur Gewitter und Hagelkörner von mehr als fünf Millimetern Durchmesser waren meinen Eltern und bald auch uns nicht ganz geheuer – und Tornados. Es muss also um die Teenagerjahre gewesen sein, als ich mir überhaupt einmal ausgiebig über das Wetter Gedanken gemacht habe. Der Grund für diesen vorübergehenden Sinneswandel war glasklar das Unvermögen der Haargelhersteller, den vollmundigen Werbeversprechungen zum wetterbeständigen Sitz der Haare Taten folgen zu lassen. Oder, je nach Perspektive, die hormonellen Schwankungen aufmüpfiger Teenager. Kurz ist Trumpf – mit zunehmendem Alter und Pragmatismus nahmen bald haarige Jugendsünden und Haarlänge ab. Haare ab, Problem gelöst! Denkste!

Sind mir rückblickend als Teenager vitale Körperfunktionen scheinbar noch weitestgehend weniger wichtig als Eitelkeiten gewesen, so rückten sie – und ich bin sehr froh darüber – bei den manuellen,  unüberdachten Fahrten zu Universitätsveranstaltungen und später Trainingseinheiten zunehmend in den Vordergrund. Spätestens nach teils waghalsigen Regenschirm- und Eiswasserexperimenten, weiß ein junger, beräderter Mann, worauf es im Leben wirklich ankommt. Regenschirme gehören nicht dazu.

Wenn ihr, liebe Leser*innen, einen Rollstuhlnutzer bei Regen ernsthaft außer Gefecht setzen wollt, dann drückt ihm einen Regenschirm in die Hand.

Ich garantiere euch – Flachwitz – er oder sie wird zumindest bei manuellen Rollstühlen am Rad drehen. Genaugenommen mit der einen Hand an einem Rad, während ihr kreativen Spontaneinfällen zur Befestigung von Regenschirmen mit der anderen Hand zuschauen könnt. Ähnliches gilt für unhandliche Raumwunderhandtaschen von Lebenspartnerinnen, das aber ist ein anderes Kapitel. Auch das Regenschirmkapitel habe ich durch und es war eine spannende Zeit.

Es gibt sie, diese Befestigungen von Schirmen an Rahmenrohren. Hat man dann jedoch einen ausreichend großen Schirm zur Überdachung des gesamten Rollstuhls gefunden, ist es nicht mehr weit zum Segelschein. Schon bei leichten Brisen kann so ein Schirm als Segel dienen und ist ein gewisses Sicherheitsrisiko. In der feuchteren Jahreszeit weiche ich selbst geschwindigkeitsbedingt nun lieber auf eine handelsübliche Regenjacke aus. Dabei sind mir die Reißfestigkeit des Materials an den Ärmeln, wegen des ständigen Radkontaktes sowie ein figurbetonter Schnitt, der Kontakt mit dem Sägewerk meiner Antriebsräder ausschließt, neben Wasserdichtigkeit am wichtigsten.

Wenn aus Wasser Eis und Schnee wird, dann gucke ich mir das am liebsten bei einem warmen Getränk aus den heimischen vier Wänden an. Viele skrupellose Selbstexperimente mit Handschuhen aus unterschiedlichen Materialien hat es gebraucht, bis ich das Feeling auftauender Fischstäbchen beim Überschreiten der Türschwelle vermeiden konnte. Und auch hier kommt es auf Reißfestigkeit und ganz besonders Wasserdichtigkeit an. Merke: Baumwollhandschuhe im Winter sind wie Bademäntel beim Eisbaden: saugstark und nicht überzeugend. Es tat höllisch weh, wenn ich mich seinerzeit mit solch ungeeigneter Ausrüstung im Schneckentempo durch 30 cm Neuschnee gewühlt habe, während rüstige Rentner im Vorbeistapfen freundlich fragten: „Na, geht’s?“. „Nein, es sitzt und es sitzt fest!“. Aber auch hier konnten Geduld bei der Suche und intensive Beratungsgespräche mit Leuten, die sich auskennen, Abhilfe schaffen: Es gibt Handschuhe, die wasser- und sogar schnittfest sind, diese halten warm und trocken, ändern jedoch nichts an dem Schneckentempo aufgrund der Schneemaßen. Als nächstes auf meiner Wunschliste: Spezielle Minikufen für die kleinen Lenkrollen.

Es ist toll, was es inzwischen für Ausstattungsoptionen für uns Rollstuhlnutzer gibt.

Da ist ganz viel mitgedacht worden. Zwar erspart uns das nicht komplett, die uralte ‚Auseinandersetzung: Mensch gegen Naturgewalten‘, aber es ermöglicht uns technisch ein weitaus uneingeschränkteres Leben. Schon jetzt freue ich mich riesig, mich mit meinem Aktivrollstuhl wieder bei nächster Gelegenheit mit voller Absicht selbst auf’s Glatteis der örtlichen Eishalle zu führen. Natürlich mit guter Musik auf den Ohren und der einen oder anderen Pirouette. Mit oder ohne Kufen, es gibt kein besseres Ausdauertraining, als gut gekühlt einige Stunden im Dauerlaufmodus gegen Glatteis anzukurbeln. Aber zieht euch warm an!

Wie schauen eure Erfahrungen bei Wind und Wetter als Rollstuhlnutzer, aber auch Fußgänger, aus? Berichtet uns gerne in den Kommentaren!

Es gibt unzählige spezielle Ausstattungen für Wind und Wetter, zu Fuß oder auf Rollstuhlrädern,  und es gibt kreative Menschen, die Lösungen schaffen, wo noch keine sind!

Im Rollstuhlfahrer mit Regenschirm im Mund