Deutschland Schlusslicht bei Tabakkontrolle

Bonn / Amsterdam (jft) – Heute, am 23. März 2011, präsentierte die Vereinigung der Europäischen Krebsorganisationen (ECL) in Amsterdam neue Zahlen zur Tabakkontrolle. Die vierte Auflage der europäischen Tabak-Kontroll-Skala (TCS) stellt Deutschland ein Armutszeugnis bezüglich der Aktivitäten zum Schutz von Nichtrauchern aus: Von 31 im Rahmen der Studie untersuchten Ländern belegt Deutschland den 26. Rang, vor Ungarn, Tschechien, Luxemburg, Österreich und Griechenland. Großbritannien, Irland, Norwegen und Island sowie Tabakkontroll-Neuling Türkei führen die Liste an, weil sie erfolgreich zahlreiche Maßnahmen zum Schutz ihrer nichtrauchenden Bevölkerungsmehrheit umgesetzt haben. Die TCS misst die Aktivitäten der EU-Länder in der Tabakkontroll-Politik, beispielsweise die Besteuerung von Tabakwaren, vollständige Rauchverbote in öffentlichen Räumen einschließlich der Gastronomie sowie gesetzliche Werbeverbote.

“Die Ergebnisse der Studie zeigen: Viele politische Entscheidungsträger hierzulande stellen wirtschaftliche Interessen vor den Gesundheitsschutz der Bürger’, so Dr. Uwe Prümel-Philippsen, Sprecher des AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN (ABNR). Hohe Preise für Tabakwaren und vollständige Rauchverbote werden als zwei der effektivsten Maßnahmen der Tabakprävention eingestuft und werden beim Ranking mit der höchsten Punktzahl belohnt.

Luk Joossens aus Brüssel, einer der Autoren der Studie (PDF-Datei) und international anerkannter Experte für Tabakkontrolle bei der ECL, erklärt: “Zwei Drittel aller EU-Länder investieren jedes Jahr nicht einmal zehn Cent pro Kopf und Jahr für die Tabakkontrolle. Die Weltbank empfiehlt stattdessen einen Betrag in Höhe von zwei Euro. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die meisten Länder hier nur wenige Punkte in der Skala erhalten haben.’ Martin Raw, ein weiterer Autor der Studie, äußert sich besorgt darüber, dass immer weniger Geld in die Tabakkontrolle investiert wird.

Die heutige Vorstellung der Tabak-Kontroll-Skala (PDF-Datei) fand im Vorfeld der fünften “Europäischen Konferenz zu Tabak oder Gesundheit’ (EcToH) in Amsterdam statt. Vom 28. bis 30. März 2011 treffen sich hier mehrere hundert Expertinnen und Experten aus vielen europäischen Ländern.

“Wir hoffen, dass die europäischen Staaten möglichst bald eine umfassende Tabakkontrollpolitik am Beispiel von Großbritannien umsetzen’, so Dr. Uwe Prümel-Philippsen. “Dabei können sich die Länder an der WHO-Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle orientieren, die konkrete und effektive Maßnahmen benennt – und auch von Deutschland unterzeichnet wurde.’

Tabakkonsum ist die Hauptursache für nicht-übertragbare Krankheiten und führt in Deutschland jährlich zu mehr Todesfällen als Aids, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Selbstmorde zusammen. Jedes Jahr sterben in den EU-Ländern mehr als 650.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, rund 110.000 Personen davon in Deutschland. Durch das Passivrauchen sterben im selben Zeitraum europaweit rund 80.000 Menschen, davon über 3.300 hierzulande.

Weitere Informationen zum ABNR und seinen Forderungen an die Politik gibt es unter www.abnr.de.

Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN – Zahlen, Daten, Fakten
Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN ist ein Zusammenschluss namhafter Organisationen des Gesundheitswesens in Deutschland. Es wurde mit dem Ziel gegründet, Maßnahmen zur Eindämmung der Gesundheitsgefahr “Rauchen’ auf politischer Ebene anzuregen, zu fördern und zu begleiten. Folgende Organisationen bilden das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN: Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, Bundesärztekammer, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Deutsches Krebsforschungszentrum, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe und Deutsche Lungenstiftung.

Quelle: Deutsche Krebshilfe