Edina hat ihr Kind bekommen – Mutter und Kind sind wohlauf!

Unsere Bloggerin Edina ist vor kurzem Mutter geworden und hat uns in einem Interview berichtet, wie sich diese Erfahrung für sie angefühlt hat und was besondere Herausforderungen sind, wenn man im Rollstuhl sitzt.

War im Krankenhaus alles behindertengerecht, würdest du Verbesserungen empfehlen?

Wahnsinn! Erstmal ist es unglaublich, der Kleine ist wirklich da! die ersten Tage wache ich immer noch auf und muss schauen, ob es auch wirklich passiert ist. Ich habe im Albertinenkrankenhaus entbunden und war dort mit allem super zufrieden! Ein wunderbares Kreissaalteam sowie Wochenbettstation mit tollen Hebammen, die mir für jedes Problemchen mit Rat und Tat zur Seite standen. Wir hatten dort ein Familienzimmer, also konnte mein Partner den ganzen Krankenhausaufenthalt über bei uns sein. Das war besonders die ersten zwei Tage wertvoll, an denen ich noch nicht in den Rollstuhl konnte. Ohne eine weitere Person im Zimmer würde man hier sicher das Krankenhauspersonal ganz schön auf Trab halten, um das Kind zu wickeln, es aus dem Bettchen zu holen oder es einfach einmal etwas herumzutragen und es zu beruhigen.

Wie war die Geburt?

Bei der Entscheidung, wie ihr Kind zur Welt kommt, sollte sich jede Frau eigene Gedanken machen und eine Entscheidung für sich treffen. Es gibt natürlich für Querschnittsgelähmte keine feste Regel, die einen Kaiserschnitt zum Muss macht. Für mich war die höhere Belastung für den Beckenboden und die Gefahr eines Dammrisses mit einem in der Folge aufgrund der schlechten Wundheilung möglicherweise längerem Krankenhausaufenthalt die Entscheidungsgrundlage, dass ich mich für einen Kaiserschnitt entschieden habe.

Was hat sich für dich verändert?

Nunja, erst einmal natürlich alles. Mein Tag ist voll auf das Baby ausgerichtet, was ich wahnsinnig genieße. Wir verbringen viel Zeit mit kuscheln und kennenlernen. Da bleibt das ein oder andere liegen, was ja auch völlig normal ist. Im Allgemeinen habe ich mir die Zeit und das Leben mit dem Kleinen viel anstrengender vorgestellt, als es jetzt tatsächlich ist und vielleicht Herausforderungen gesehen, wo jetzt gar keine sind.

Wo muss bzw. kann dich dein Partner unterstützen?

Die Zeit mit dem neuen Erdenbürger ist toll. So ein Tag ist mitunter jedoch auch sehr anstrengend, besonders wenn der Kleine zum Beispiel Bauchweh hat oder viel weint. Da hilft es ungemein, dass ich mich um ein paar Alltagssachen nicht kümmern muss zum Beispiel einkaufen und abends kochen. Aber: Das ist bei jeder Frau im Wochenbett so.

 Wie bewältigst du deinen Alltag und hast du Tipps und Tricks, die du anderen werdenden Müttern mit Rollstuhl empfehlen kannst?

Für die meisten Sachen gibt es keine adäquate vorgefertigte Lösung und jeder muss ein bisschen schauen und rumprobieren, was am besten für einen funktioniert. Den Wickeltisch hat mein Partner aus einer normalen Kommode selbst gebaut und einen Wickelaufsatz so angebracht, dass ich halb drunterfahren kann.

Zum Tragen habe ich eine Babytrage gefunden, die keinen Beckengurt und keine Schnalle am Rücken hat. Die ist schnell angezogen – gerade für Wege zum Auto und schnell mal einkaufen gehen perfekt! Hier gibt es spezielle Trageberatungen und ich würde empfehlen, mit Kind ein paar auszuprobieren, denn für jeden funktioniert etwas Anderes. Wenn ich ihn länger am Körper habe, nutze ich ein Tragetuch. Das ist anfangs etwas Fummelei, den Dreh hat jedoch jeder schnell raus.

Besonders dankbar bin ich über ein extra angefertigtes Smartwheel. Der erste Spaziergang mit Liam war toll! Ich habe ihn direkt vor mir und wir sind zusammen mobil. Wenn ich einkaufen gehe, nutze ich das Smartwheel für meine Einkäufe und habe den Kleinen in der Trage. Was jetzt noch fehlt, ist ein richtiger Kinderwagen, den sowohl ich als auch mein Partner nutzen können. Perfekt wäre da eine Vorrichtung, um ihn vorne an den Rollstuhl zu klippen. Es gibt ein, zwei Prototypen, bisher leider nur noch nichts auf dem Markt.

Zu Hause mache ich mir das Leben mit ein paar Hilfsmitteln so einfach wie möglich, so dass ich unabhängig bin und mit dem Kleinen den Tag gestalten kann. So habe ich mir bereits in der Schwangerschaft schon eine Greifhilfe angeschafft: Alles was auf den Boden fällt, kann ich damit leicht erreichen, wenn ich das Kind in der Trage habe – also eine gute Anschaffung. Zum Baden des Kleinen nutze ich mein Badebrett, mit dem ich in der Badewanne dusche. Hier kann ich die kleine Babybadewanne draufstellen und mich seitlich dazu positionieren. So kann ich ihn entspannt baden. An diesen Beispielen ist zu sehen, dass viele eigene Gedanken nötig sind, um seinen Alltag als Querschnittsgelähmte mit einem Kleinkind meistern zu können. Es gibt wenig spezielle Hilfsmittel, die in der Situation genutzt werden können.

Kannst du uns sonst noch etwas über deinen Alltag erzählen? Wie waren die ersten Arztbesuche?

Ein Problem ist sicherlich, barrierefreie Ärzte oder Therapeuten zu finden. Wir mussten bereits zu zwei Ärzten, bei denen mein Partner mich begleiten musste, da im Eingangsbereich der Praxis ein paar Stufen waren. Bei der Suche nach einer Hebamme habe ich mir nicht besondere Gedanken gemacht. Wichtig ist nur, jemanden zu finden, der sich auf das Thema Querschnittslähmung einlässt und sich vielleicht auch ein paar Gedanken dazu macht: In welchen Positionen kann ich am besten stillen (ich empfehle jeder Frau ein Stillkissen, an das sie sich auf dem Sofa anlehnen bzw. reinlegen kann), wie nehme ich den Kleinen aus seinem Bettchen etc.

Viele Grüße,

eure Edina