Edina Müller Mutter, Sportlerin, Berufstätige – alles muss unter einen Hut passen

Normalerweise war das alles anders geplant: Ich wollte meine Elternzeit vergangenes Jahr nutzen, um mich auf die Paralympischen Spiele 2020 in Tokyo vorzubereiten, sodass ich Training und Mutterrolle wohl gut unter einen Hut bekommen hätte.

Wie wir alle wissen, kam es anders und die Spiele wurden in den Sommer 2021 verlegt, was bedeutet, dass ich jetzt Mutter, Hochleistungssportlerin und Berufstätige in einem bin. Denn seit November 2020 bin ich in meine Stelle als Sporttherapeutin am BG-Klinikum zurückgekehrt – eine Dreifachbelastung, deren größte Herausforderung es für mich ist, auch noch Zeit für das eigentliche Leben zu finden. Neben dem Sport engagiere ich mich ja auch noch in Stiftungen und bin ehrenamtlich tätig. Alles in allem muss ich sehr darauf achten, mit meinen Kräften zu haushalten, diese richtig einzuschätzen und meine Grenzen der Belastbarkeit richtig auszuloten.

Was vieles vereinfacht, ist, dass aktuell aufgrund von Corona viel Training zu Hause stattfindet. In unserem neuen Haus habe ich einen kleinen Trainingsraum eingerichtet und kann dort fast alles machen. So stehe ich morgens auf und gehe als Erstes gegen acht Uhr für eine circa 30- bis 40-minütige Einheit auf den Ergometer.  Dann fange ich an, Frühstück zu machen. Wenn Liam aufwacht, frühstücken wir zusammen. Das gemeinsame Frühstück ist mir für einen guten Start in den Tag sehr wichtig.

Danach mache ich eine Kraft- oder Stabilisationseinheit. Liam hat eine Spielecke im Trainingsraum.

So können wir während des Trainings zusammen Musik hören und zwischendurch spielen. Um 11 Uhr müssen wir schon los und ich bringe Liam in den Kindergarten. Dieser hat auch momentan geöffnet, weil es der Kindergarten des BG-Klinikums ist. Meine Arbeits- und Trainingszeiten muss ich dem Kindergarten anpassen, was mich etwas unflexibler werden lässt. Jetzt fange ich eine Stunde früher, also um 12 Uhr, an zu arbeiten. Liams Eingewöhnung lief zum Glück super. Es ging ihm sogar noch zu langsam. Er geht sehr gern in den Kindergarten, spricht oft darüber und freut sich schon auf dem Weg dorthin. Mir hingegen fällt jede Trennung von ihm schwer, was wahrscheinlich viele von euch kennen. Dass er sich dort so wohlfühlt, macht es jedoch sehr viel einfacher für mich und gibt mir ein gutes Gefühl.

Um 16 Uhr habe ich Feierabend. Dann hole ich Liam ab und wir fahren fürs Training zum Kanustützpunkt nach Allermöhe. Gegen 19 Uhr sind wir fertig und fahren endlich nach Hause.

Zu Hause wird gekocht. Je nachdem, wie die Planungen und Termine meines Partners sind, essen wir zu dritt zusammen. Ich bereite noch einen Snack für Liam und Mittagsessen für mich zu. Anschließend wird noch etwas gespielt und dann geht’s für Liam ins Bett. Die Tage sind immer pickepackevoll. Mein Zeitmanagement ist oft schwierig und ich muss aufpassen, dass nicht zu oft und zu viele Stresssituationen entstehen.

Da hilft es, dass ich von Anfang an versucht habe, keine Erwartungen an mich selbst zu stellen. Du kannst nie wissen, was auf dich zukommt, sondern nur die Situation so annehmen und meistern, wie sie auftritt. Ich bin außerdem wahnsinnig froh, dass Liam an allem, was wir machen, großen Spaß hat und Reisen, Trainingslager und Wettkämpfe mit ihm wirklich entspannt sind. Zudem habe ich ein gutes Umfeld, das mich unterstützt und entlastet, was wohl auch mein Tipp an alle ist, die ebenfalls in Doppel-, Dreifach- oder noch mehr Belastungen stecken: Schaut euch in eurem Umfeld um, wer euch unterstützen kann, und fragt gezielt nach Hilfe. Ihr müsst nicht alles alleine schaffen. Und häufig sind die Menschen um euch rum froh darüber, mit anpacken zu können.

Edina Mueller und Liam am Bootsanleger