Essen auf Rädern – Ernährungserfahrungen als sportelnder Rollstuhlnutzer

Liebe Leser*innen,

dieser Blog ist für euch. Daher möchte ich mich bemühen, auch so zu schreiben, dass er euch schmeckt – zumindest aber nicht im Halse stecken bleibt. In der Vergangenheit habe ich mich in meiner ganzen Begeisterung für das Schreiben im Allgemein dabei erwischt, Texte zu produzieren, die so unhandlich wie 4/4-Torten auf Kuchengabeln sind (…oder verschachtelt wie dieser Satz). Ich werde mich also bemühen, künftig leichter verdaulich von meinem Leben zu berichten. Eine Bitte: Solltet ihr einmal Fragen oder Themenvorschläge haben, schreibt diese gerne in die Kommentare.

Nach meinem ausführlichen Wetterbericht im letzten Blogartikel – ein Test der Lenkrollenkufen für Rollstühle wird im Falle eines ausreichenden Wintereinbruches nachgeholt – heute eines meiner mir am besten schmeckenden Themen: Essen.

Da ich noch nie über Essen geschrieben habe, stelle ich mir das erste Mal die Frage, ob sich das Essen auf Rädern überhaupt so grundlegend von dem laufenden Essen unterscheidet. Wir alle müssen es tun: laufend essen. Ganz praktisch gesprochen: Ja, das Essen auf handbetriebenen Rädern kann, wenn wir gerade unterwegs sind, ein Balanceakt sein. Der Grund: Wir haben keine Hand frei. Solltet ihr mich also einmal unterwegs mit einem Brötchen im Gesicht erleben, dann ist das eine Überlebenstaktik und kein grundsätzliches Fehlen von Tischmanieren.

Brennend würde mich interessieren, wie das Essen unterwegs für Nutzer eines Elektrorollstuhles ist. Gibt es da extra Vorrichtungen, welche die Speisen festhalten? Für den Transport von Speisen nutze ich gerne meine Tasche, die oft griffbereit auf dem Schoß befestigt ist. Es gibt ja diverse Taschen und Gepäcksysteme auch speziell für Rollstühle. Sollte ich größere Mengen des wöchentlichen Nahrungseinkaufes transportieren, binde ich mir einen dieser faltbaren 08/15-Einkaufskörbe mit einem Spanngurt aus dem Laden für Wanderbedarf auf den Schoß. Das zum rein praktischen Teil über das Essen auf Rädern.

Genauso individuell wie die praktischen Lösungen zur Nahrungsaufnahme ist aber auch die Theorie hinter meiner Ernährung. Eins vorweg: Dieser Artikel ist ausdrücklich keine Ernährungsberatung, sondern ein individueller Erfahrungsbericht. In erster Linie sehe ich mich auch in Sachen Nahrungsaufnahme als Mensch, dann als Leistungssportler und letztlich auch als Rollstuhlnutzer. Letzteres spielt also keine so große Rolle, wie man vielleicht meinen könnte, und hängt sicher von ganz unterschiedlichen Diagnosen ab.

Da meine Nierenfunktion von der angeborenen Spina Bifida / ‚Offener Rücken‘ (Anmerkung des Autors: ist zu!) betroffen ist, ist ausreichendes Trinken meine erste Grundregel. Das ist ganz wichtig, damit Schadstoffe und Bakterien, die sich sonst in den Nieren ablagern können, herausgespült werden. Aber auch ohne diese Diagnose ist ausreichend Flüssigkeitszufuhr natürlich lebensnotwendig. Es gab eine Zeit, in der mir das nicht so wichtig war. Wenn ich ausreichend trinke, dann fühle ich mich körperlich-muskulär und geistig viel frischer. Dabei trinke ich überwiegend Wasser. So muss sich das Dasein als gut gepflegte Blume anfühlen!

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ihr als tollpatschige Grundschüler*innen mal eine eurer ersten Topfpflanzen in sintflutartigen Wassermengen ertränkt habt, dann wisst ihr, dass es nicht nur auf Wasser ankommt. Seit diesen Tagen habe ich aus Mitgefühl übrigens nur noch Kunstblumen. Meine zweite Grundregel lautet also: Als Sportler achte ich auf eine vielfältige Ernährung. Wichtig sind mir – neben verschiedenen Mineralien aus dem Wasser – Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße und Vitamine. Habt ihr eine Lieblingsspeise oder ein ganzes Lieblingsmenü? Bei mir ist es aktuell mal wieder überwiegend Nudeln mit buntem und stets unterschiedlichem Rohkostsalat und dazu Obst und Nüsse. Klingt nach Hasenfutter? Ja, aber DIESER ‚Hase‘ ist ungeheuer agil und leistungsfähig UND genießt es zu essen.

Natürlich wechsle ich auch mal das Menü – Vielfalt eben. Wenn es nun um die Mengen an Nahrung geht, schlagen mich graue Rüsseltiere aus Afrika sicher um Längen. Meine dritte Grundregel: Esse ich mehr, als ich durch Bewegung wieder loswerden kann, dann nimmt mein Körpergewicht bald zu. So kurz vor dem mancherorts üblichen Schlemmer Marathon der Weihnachtsfeiertage ist das ein vielleicht nützlicher und bekömmlicher Gedanke.

In Erwartung böser Leserbriefe und Kommentare möchte ich einen Hinweis riskieren: Meiner persönlichen Erfahrung nach lebt es sich ohne Waage bedeutend leichter …zumindest, wenn ich meine Grundregel Nummer drei beachte. Verantwortlich ist vermutlich das fehlende schwere Gewissen, dass man auf die Waage bringen könnte …hätte man eine.

Essen macht mir Spaß, ich genieße es, besonders in guter Gesellschaft. Dabei möchte ich nicht jedes Gramm zählen, mich weder mästen, noch hungern. Dazu gehören natürlich ganz besonders auch zu geselligen Feiertagen gelegentliche fettige Hauptgerichte oder süße Nachspeisen. Auch das tut doch der Seele gelegentlich und wohldosiert gut.

Mit Vorsicht ist es natürlich zu genießen, wenn ich sage: Ich höre auf meinen Bauch. Aber das bringt es auf den Punkt. Wenn der Bauch knurrt, dann habe ich Hunger. Und wenn ich platze, dann war Hunger vor einer Stunde und der Beginn des Festmahls schon lange davor. Ich selbst habe dafür mit der Zeit ein ganz gutes (Bauch-)Gefühl entwickelt. Das funktioniert aber nur im Zusammenspiel mit Herz(-gefühl) und Köpfchen.

Meine Empfehlung ganz besonders zu Weihnachten im Kreise Eurer Liebsten: Esst mit Freude, Verstand und Genuss! Wohl bekomm‘s!

Erik MAchens haelt Essen in seinen Haenden