Gesundes Leben bleibt häufig guter Vorsatz

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Bevölkerungsumfrage von 1778 Männern und Frauen zwischen 18 und 79 Jahren im Rahmen des Gesundheitsmonitors von Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK.

Gesundheitsrelevante Faktoren wie ausreichende Bewegung, ausgewogene Ernährung oder regelmäßiger Stressabbau werden von 75 bis 92 Prozent der Befragten als ‘eher wichtig’ oder ‘sehr wichtig’ eingestuft. Aber offenbar führt diese Einschätzung in der Praxis häufig nicht zu einer gesundheitsbewussten Lebensweise. Denn rund 40 bis 60 Prozent der Befragten geben gleichzeitig an, dass sie diese angeblich wichtigen Gesundheitsaspekte nur zum Teil oder nicht konsequent in ihrem Alltag berücksichtigen. Zu diesem Bild passt auch, dass über ein Drittel der Befragten eingestehen, mindestens einmal pro Woche bewusst gegen ihre gesundheitlichen Interessen zu verstoßen.

Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, stellt fest: ‘Es gibt sehr viel Gesundheitsbewusstsein, aber zu wenig aktive Gesundheitskompetenz.’ Jeder Einzelne müsse befähigt werden, seine persönlichen Gesundheitsziele konsequenter umzusetzen. ‘Dabei spielen Krankenkassen einen zentralen Part, indem sie gezielte Präventionsangebote und Fachinformationen anbieten sowie kritische Versorgungsforschung betreiben.’

Welchen Stellenwert Gesundheit im Leben des Einzelnen hat, hängt auch von anderen Faktoren ab. So wandelt sich die Einstellung zur Gesundheit bei den Befragten mit zunehmendem Alter deutlich: Die Unter-30-Jährigen gaben zu 18 Prozent an, alles für ihre Gesundheit zu tun, bei den Über-60-Jährigen waren es 48 Prozent. Erstaunlich ist dabei, dass 19 Prozent der Raucher glauben, alles für ihre Gesundheit zu tun.

Für Dr. Klaus Koch, Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und Erstautor der Studie liefert die Umfrage daher die Erkenntnis, dass Gesundheit in der Wahrnehmung der Menschen nicht das oft zitierte höchste Gut ist. ‘Die Mehrheit der Deutschen sieht Gesundheit zwar als hohes Gut, ordnet ihr aber nicht alles unter.’ Man kümmere sich eher situationsbedingt mal mehr, mal weniger um die eigene Gesundheit.

Wichtigstes Motiv, Produkte und Dienstleistungen für die Gesundheit aus der eigenen Tasche zu bezahlen, ist die Linderung von Schmerzen und Beschwerden – noch vor körperlicher und geistiger Fitness. Fast jeder zweite nannte diesen Grund. Dabei werden viele gesundheitsbezogene Produkte und Dienstleistungen eingekauft, deren Nutzen nicht nachgewiesen ist. So wird die Rangliste der beliebtesten Gesundheitsprodukte von Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen und Mineralien angeführt (49 Prozent). Spezielle Arzneimittel kauften 46 Prozent der Befragten, und 43 Prozent versuchten, durch den Besuch eines Fitnesscenters oder durch Sport im Verein gesundheitlich zu punkten. Auf Rang 4 zu finden sind die Individuellen Gesundheitsleistungen, die 31 Prozent gelegentlich oder regelmäßig bei Ärzten in Anspruch nahmen.

Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung sieht auch im Bereich der Gesundheitsprodukte und Dienstleistungen ein Informationsdefizit: ‘Wir brauchen mehr kritische, herstellerunabhängige Patienteninformationen, damit Nutzen und Risiken gesundheitsbezogener Produkte und Dienstleistungen besser eingeschätzt werden können’.

Weitere Informationen zum Thema unter www.bertelsmann-stiftung.de/gesundheitsmonitor

Quelle: Barmer GEK