In Form bleiben in der Krise

Manch einer mag bei dem Wort ‚Krise‘ die Krise bekommen, der andere übt sich in Gelassenheit und wieder andere sehen riesige Chancen für eine scheinbar neu entdeckte ‚Persönlichkeitsentwicklung‘.

Die derzeitige Pandemie trifft uns gesundheitlich, wirtschaftlich oder konstitutionell. Uns Sportlern schlägt ein solch langer ‚Lockdown‘ besonders auf die Konstitution. Jede Ausnahmesituation hat aber individuelle Auswirkungen.

Wie geht es euch in der aktuellen Lage? Mir, und zu mir gehört untrennbar auch das Tanzen, hat diese Vollbremsung im Training nach anfänglich stoischer Faszination gegenüber einer vollkommen unbekannten Situation zugegebenermaßen zunächst sehr auf‘s Gemüt geschlagen. Dabei war mir anfangs gar nicht genau klar warum – ein diffuses Gefühl der Lähmung… über das obligatorische Taubheitsgefühl meiner Beine unterhalb der Kniescheibe in Folge der angeborenen Spina Bifida (‚Offener Rücken‘ – Alles zu!) weit hinaus.

Aber die Situation trifft nicht nur jeden von uns auf ganz eigene Weise, sondern zeigt auch, wie verbunden wir alle miteinander sind. Fallen Sportangebote durch Sperrung von Trainingsräumlichkeiten aus, sind Sportler und Vereine und damit auch die gesamte kulturelle Landschaft betroffen. Das ist der Stillstand!

Mental betrachtet versetzt Stillstand mein Hirn – ein Apparat der sich ganz naturgegeben 24h mit der Lösung von Problemen auseinandersetzt – in einen Leerlauf, der nach Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen schreit. Wenn ihr einem ‚hauptberuflichen Problemlöser‘ die Arbeitsgrundlage nehmt, dann kann das dazu führen, dass, wie in meinem Fall, die übliche Lösung von Tänzerproblemen automatisch und ganz fließend in die Lösung von Problemen übergeht, die üblicherweise keine sind. Das kann dann zu mental hoch spannenden Herausforderungen führen.

Wichtig bei solch ‚mentalen Fallen‘ ist eine gepflegte Selbstdistanz, also durch eine Betrachtung der Dinge mit Abstand mental beweglich bleiben.

Abstand hat mir ‚die Seuche‘ freilich gegeben, Abstand von einem eingespielten, schier vollkommen automatisierten Alltag. Darin sehe ich eine Chance, eingespielte Gewohnheiten oder Lebenssituationen neu zu betrachten.

Unser Körper hingegen ist von ‚gepflegter Selbstdistanz‘ sehr unbeeindruckt, wenn das reguläre Training ausfällt. Hier hilft das, was Sportlertagesgeschäft ist: ein kontrolliertes, regelmäßiges Fitness-Training.

Ich habe viel mehr als bisher versucht, mich im Alltag durch Ausdauertrainings in Form zu halten. Sportlich-aktiven Rollstuhlnutzern empfehle ich z.B., mit ‚Highway to Hell‘ im Ohr eine halbe Stunde strickt am Beat der Musik, also ein Schlag eine Schubbewegung, sich an das eigene Limit heranzutasten. Sieht sicher kurios aus, aber macht einen riesigen Spaß!

Auch das morgendliche Krafttraining hält die Muskeln in Schwung. Regelmäßige ‚Crunches‘ für das obligatorische Sommer-Sixpack (mit und ohne Speckmantel) oder muskelschonendere Übungen mit Trainingsbändern für die Oberarme.

Was das gebracht hat und ob ich immer noch schwungvoll über das Parkett fliegen kann, davon erfahrt ihr natürlich in diesem Blog! Was feststeht: Bewegung ist auch für die Laune ausgezeichnet. Neben all den Dingen, wie sich regelmäßig mit Freunden treffen, Sonne tanken, euch gut ernähren und auf euch und andere achtgeben:

Bleibt in Form, bleibt in Bewegung!

Sit Ups halten fit