Klare Botschaft an engagierten Medizinernachwuchs: „Lass dich nieder“

„Insbesondere bei Fachrichtungen, die für die ambulante Versorgung vor Ort gebraucht werden, zeichnet sich ein Mangel an niedergelassenen Ärzten ab. Für uns ist es daher besonders wichtig, junge Mediziner bereits früh zu informieren“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, heute in Berlin. „Sie sollen sich ein umfassendes Bild über die Niederlassung machen können und sich im Idealfall für die Arbeit im Praxisteam oder die eigene Praxis entscheiden“, fügte er hinzu.
Seine Vorstandskollegin Dipl.-Med. Regina Feldmann betonte, dass die Besonderheiten der ambulanten Versorgung schon früh ins Medizinstudium eingebunden werden müssten. „Bisher erfahren die Studentinnen und Studenten viel zu wenig über die Niederlassung. Das muss sich ändern, wenn wir denn die wohnortnahe Versorgung der Patienten in Deutschland mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten auch in Zukunft aufrechterhalten wollen. Immerhin scheiden bis 2021 nach unseren Schätzungen 51.000 Mediziner aus der Versorgung aus. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach medizinischen Leistungen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft.“

Wie aktuell die Herausforderung ist, zeigten Momentaufnahmen aus Westfalen-Lippe und Baden-Württemberg.

„Gerade ländliche Städte und Gemeinden zwischen 10.000 und 20.000 Einwohnern, die aktuell noch gut versorgt sind, machen sich große Sorgen um den ärztlichen Nachwuchs. Scheiden hier Ärzte oder

Ärztinnen ohne Nachfolge aus, kann es schnell zu erheblichen Versorgungsproblemen kommen“, erläuterte Dr. Gerhard Nordmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Westfalen-Lippe. Auch in Süddeutschland ist das Thema Ärztemangel nicht unbekannt.

„Schon heute fehlen uns etwa 300 Hausärzte im Land. Wir gehen davon aus, dass wir zusätzlich in den kommenden Jahren etwa 500 Hausarztpraxen nicht werden nachbesetzen können. Umso mehr ärgert es mich, wenn von Seiten des GKV-Spitzenverbandes und Teilen der Politik immer noch geleugnet wird, dass wir einen Ärztemangel haben“, sagte Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KV Baden-Württemberg.

Kampagnengesichter sind Medizinstudierende wie Beatrice Ranft und Felix Schmidt. Sie sind bis zum 29. Mai auf rund 830 Plakaten für Großflächen und Litfaßsäulen in 37 Universitätsstädten zu sehen. Herzstück der Nachwuchskampagne ist die Website www.lass-dich-nieder.de. Hier erfahren Nachwuchsmediziner alles Wissenswerte rund um das Thema Niederlassung. So können die Interessierten mit einem Online-Test herausfinden, welcher Niederlassungstyp sie sind. Zudem erhalten sie einen Überblick über die Weiterbildungs- und Niederlassungsförderungen der 17 KVen.

Zahlen und Fakten
Das Durchschnittsalter der Allgemeinmediziner liegt laut Bundesarztregister bei 54,1 Jahren. Tendenz steigend. Rund 35.200 Vertragsärzte und -psychotherapeuten in Deutschland sind über 60 Jahre alt. Jünger als 40 Jahre sind aber nur rund 4.700 Niedergelassene.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):
Die KBV vertritt die politischen Interessen der rund 153.900 niedergelassenen und ermächtigten Ärzte und Psychotherapeuten auf Bundesebene. Sie ist der Dachverband der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die die ambulante medizinische Versorgung für 70 Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland sicherstellen. Die KBV schließt mit den gesetzlichen Krankenkassen und anderen Sozialversicherungsträgern Vereinbarungen, beispielsweise zur Honorierung der Ärzte und zum Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen. Die KVen und die KBV sind als Einrichtung der ärztlichen Selbstverwaltung Körperschaften des öffentlichen Rechts. Mehr Informationen im Internet unter: www.kbv.de.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)