Mein Umgang mit dem Coronavirus

Moin ihr Lieben,

nun melde ich mich und berichte, wie ich mit der aktuellen Situation umgehe.

Zu Beginn der Corona-Krise habe ich mir nicht viele Gedanken gemacht, China ist ja weit weg. Die Realität hat mich sehr schnell eingeholt.

Dass es auch für mich wirklich ernst werden kann, wenn ich mich mit dem Coronavirus anstecke, eröffnete mir ein Anruf meines Arztes.

In der ersten Märzwoche sagte er mir, dass ich ab sofort Menschenansammlungen, öffentliche Verkehrsmittel usw. meiden sollte. Durch den Morbus Crohn und das Medikament, welches ich einnehme, ist mein Immunsystem heruntergefahren.

Ich bin nur noch mit dem Auto irgendwo hinfahren und habe genau überlegt, was wirklich wichtig ist oder ob ich mir den einen oder anderen Weg sparen kann. Etwas später kamen viele Dinge auf einmal: Dänemark hat die Grenze geschlossen, immer mehr Menschen sollten besser zu Hause arbeiten, Großveranstaltungen wurden abgesagt. Nun hieß es für mich, einen kühlen Kopf zu bewahren und zu überlegen, was man jetzt tun muss. Wir wollten das Musical „Pretty Woman“ besuchen. Da bin ich noch in Verhandlungen, ob wir das Geld für die Karten zurück bekommen oder ob es einen Gutschein gibt. Unseren Dänemarkurlaub können wir nicht antreten, die Grenze ist zu, es gibt ein weltweites Reiseverbot. Jetzt fahren wir nicht über Ostern, sondern versuchen es im September. Was für mich besonders schlimm ist: ich kann meinen 40. Geburtstag nicht feiern! Über ein Jahr der Planung und noch längere Vorfreude sind vorerst dahin. Als ich im Krankenhaus war, ich war gerade noch 36 Jahre alt, war mein Ziel, an meinem 40. Geburtstag wieder ein normales Leben zu haben. Nun muss ich mit der Feier noch warten, aber ich werde feiern! Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Die Feier habe ich jetzt in den September gelegt und hoffe doch sehr, dass es klappt. So traurig manches für mich ist, für andere sieht die Situation noch schlimmer aus. Mir geht es gut, auch meinem Bauch und meinem Stoma geht es gut. Meine Arzttermine habe ich alle verschoben und würde aktuell nur zum Arzt gehen, wenn es unbedingt sein muss. Meine Stomatherapeutin möchte ich jetzt nur im Notfall kontaktieren, das schützt mich und sie. Mein Material werde ich wie üblich über den Paketdienst bekommen. Hamsterkäufe mache ich nicht, wir haben hier direkt einen Lebensmittelladen und da kann man einmal die Woche gut einkaufen gehen. Öfter werde ich nicht gehen und ich habe mir Einmalhandschuhe angezogen. Im Laden war es letzte Woche sehr geordnet und die Menschen haben sich an die Abstandsregeln gehalten. Nun gilt das Kontaktverbot, da bleibe ich komplett zu Hause. Einkaufen muss jetzt mein Mann. Er hat auch keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen, außer beim Einkaufen, da er schon länger zu Hause arbeiten muss. Ich bin sehr froh, dass mein Mann zu Hause ist, weil es leichter ist, die Situation zu zweit zu meistern. Ab und an gehen wir spazieren, das halte ich auch für wichtig. Nicht nur die frische Frühlingsluft atmen, sondern auch etwas Bewegung in den Körper bringen. Wir haben hier gute Wege gefunden, wo wir meistens allein sind. Falls uns aber doch Spaziergänger entgegenkommen, gehen wir uns alle gut aus dem Weg. Jetzt heißt es durchhalten, zu Hause bleiben. Ich hoffe vor allem sehr darauf, dass es ein Medikament und/oder einen Impfstoff geben wird.

Was wir hier zu Hause so machen, damit uns die Decke nicht auf den Kopf fällt werde regelmäßig berichten.

Letztes Wochenende haben wir sehr viel gespielt, elektronisch oder Kartenspiele. Hier und da telefonieren wir auch mit unseren Freunden.

Ich bin in Gedanken bei euch und wünsche euch ganz viel Kraft, diese Zeit durchzuhalten. Bleibt bitte alle zu Hause!

Bleibt gesund! Eure Melli