Mit Stoma zum Wachführer bei der DLRG – geht das?

Moin ihr Lieben,

in meinen Berichten ist es ja schon zu erkennen gewesen, dass ich bei der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.) aktiv bin. Gerade in einem Hobby wie diesem kommt es auf eine gute körperliche Fitness und Gesundheit an. Mit der Gesundheit ist es ja so eine Sache. In den 30 Jahren, die ich nun diesem Verein treu bin, ging es mit meiner Gesundheit immer rauf und runter.

Da habe ich mir schon oft die Frage gestellt, ob ich in der Wasserrettung mitmachen kann?

Mit Stoma stellte es nicht nur für mich, sondern auch für die Entscheider, wer auf Wache gehen darf oder nicht, eine große Herausforderung dar. Wir haben uns zusammengesetzt und genau überlegt, was geht und was im Einsatz nicht geht. Zunächst habe ich ein Wochenende am Timmendorfer Strand mitgemacht. Ich war da vor allem in der Rolle des Sanitäters eingesetzt. Das Wochenende war sehr einsatzreich und ich habe alles gut hinbekommen. Der Beutel auf meinem Bauch hat mich nicht gestört oder das Einsatzgeschehen beeinträchtigt. So ging es dann auch weiter. Ich habe mich als Disponent in der Einsatzzentrale Hamburg ausprobiert und auch das war super. Toilettengänge konnte ich immer sehr gut unterbringen, ohne Einsätze zu vernachlässigen.

Letztes Jahr stellte sich dann die Frage, ob ich den Wachführer machen möchte.

Als Wachführer kommen nun ganz neue Aufgaben auf mich zu. Ich darf eine komplette Wachmannschaft führen, Einsätze leiten und bin immer in Verantwortung. Die erste Frau mit dem letzten Wort, sozusagen. Ich muss mein Personal richtig einsetzen, dafür sorgen, dass es der Mannschaft gut geht und immer wissen, was gerade wo passiert. Manchmal ist diese Aufgabe wirklich nicht einfach, gerade wenn man es mit dem Tod zu tun bekommt. Leider kommt es vor, dass wir Leben nicht mehr retten können. Auch damit muss ich dann umgehen und das nicht nur für mich selber, sondern auch für meine Rettungsschwimmer, die ich im Dienst habe. Es ist viel Verantwortung und eher wenig die eigene körperliche Fitness gefordert. Leiten, denken, Verantwortung übernehmen, das kann ich sehr gut. Die nötige Einsatzerfahrung habe ich auch und wie Führung funktioniert, ist mir auch nicht neu. Also warum nicht auch die Erfahrungen, die ich seit 1994 gesammelt habe, an andere weitergeben?

Ich habe mich zu dem Lehrgang angemeldet und freute mich vor allem auf die vielen praktischen Einsatzübungen. Leider kam dann Corona und es war erstmal alles auf den Kopf gestellt. Nicht klar, ob dieser Lehrgang überhaupt stattfinden kann und darf. Der Lehrgangsleiter hat dann aber alles möglich gemacht und den Lehrgang so umgestellt, dass er trotz Corona stattfindet. Es war neu und auch merkwürdig, wie wir da mit Abstand sitzen mussten, uns nicht begrüßen durften, wie wir es gewohnt waren. Auch die Praxisübungen waren anderes. Einsatztaktik über Beamer, aber auch das geht.

Es war dann ein schönes, lehrreiches und erfolgreiches Wochenende für alle. Alle Anwärter haben ihre Prüfungen bestanden, so auch ich.

Ich darf mich jetzt Wachführerin nennen und als diese auch eigesetzt werden. Leider werde ich die Erfahrung, selber in der Wachführerrolle zu sein, erst nächstes Jahr machen können. Auf Grund von Corona fällt dieses Jahr mein aktiver Dienst aus. Hierrüber bin ich sehr traurig, aber Gesundheit geht nun mal vor.

Es ist aber super, was man alles so machen kann, obwohl man eine gesundheitliche Einschränkung hat. Ich möchte euch hiermit ganz viel Mut zusprechen, das zu machen, was ihr machen wollt. Egal, wie es auf den ersten Blick aussieht, schaut nochmal hin, ob es nicht doch geht. Auch mit anderen z.B. Kollegen, Chef oder Vereinskameraden darüber sprechen. Vielleicht findet man auch im Gespräch eine gemeinsame Lösung. Mir hat die Offenheit mit meiner Erkrankung und dem Stoma immer sehr geholfen. Jetzt trauen es mir sogar andere zu, eine Wache zu führen und zu leiten! Macht das, was ihr wollt, passt aber dabei immer auch auf euren Körper auf!

Eure Melli

Wachleiterprüfung bestanden