Nicht nur auf BMI verlassen

Bei übergewichtigen Patienten mit metastasierter Krebserkrankung könnte die Kenntnis des Ernährungsstatus mithilfe des MNA-Tests helfen, die Therapieergebnisse zu verbessern, weil eine Mangelernährung rechtzeitig erkannt wird.

Übergewicht und Adipositas lassen sich mit dem BMI leicht erfassen. Doch nach Ansicht von griechischen und französischen Ärzten ist die Beurteilung des Ernährungszustandes ausschließlich anhand des BMI zu oberflächlich, um sich von dem Messergebnis bei Therapieentscheidungen in der Onkologie leiten zu lassen. Um den Ernährungszustand bei Krebspatienten, die übergewichtig oder adipös sind, zu überprüfen, verwendeten sie den MNA-Test (Mini Nutritional Assessment), mit dem sich vor allem eine Mangelernährung erfassen lässt. Er ist fester Bestandteil des geriatrischen Assessments.

Fast jeder zweite Studienteilnehmer war übergewichtig oder adipös
Eingesetzt haben die Ärzte den Test bei fast 1500 Patienten in drei Kliniken, darunter einem Zentrum in Frankreich. 594 Patienten (41,9%) waren übergewichtig oder adipös, ein Anteil an der Gesamtzahl der Krebspatienten, wie er auch in früheren Studien beobachtet worden ist. Im Mittel lag der BMI bei 28,6. Insgesamt 72,6% der Patienten waren als übergewichtig eingestuft worden. Der MNA-Test erfasst im ersten Schritt unter anderem Gewichtsverlust, Mobilität, psychische Situation und BMI. Im zweiten Schritt werden unter anderem Wohnsituation, Medikamentenkonsum, Anzahl der Hauptmahlzeiten, Trinkmenge und Essensaufnahme mit/ohne fremde Hilfe abgefragt. Bei einer Punktzahl von mehr als 23,5 (Gruppe A) ist dies ein Hinweis auf einen ausreichenden Ernährungsstatus. Liegt die Zahl zwischen 17,0 und 23,5 (Gruppe B), dann ist das bereits ein Zeichen für das Risiko, mangelernährt zu sein, und unter 17 Punkten (Gruppe C) für eine manifeste Mangelernährung.

Wie die Onkologen und Ernährungswissenschaftler um Dr. Ioannis Gioulbasanis vom Allgemeinkrankenhaus in Larissa in Griechenland berichten, hatten in der Studie fast 50% der Übergewichtigen und Adipösen dem Testergebnis zufolge ein Risiko für eine Mangelernährung, 12,8% seien zum Zeitpunkt der Diagnose bereits mangelernährt gewesen.

Bei Älteren signifikante Unterschiede beim Überleben
Von 357 Patienten (60,1%) standen auch Daten zum Überleben für die Auswertung beim sekundären Endpunkt der Studie zur Verfügung. Im Median lag der Wert für das Gesamtüberleben bei 11,1 Monaten, bei einem Follow-up von 27 Monaten. Das mediane Gesamtüberleben lag in Gruppe A bei 17,8 Monaten (95%-Konfidenzintervall zwischen 15,5 und 29,1), in Gruppe B bei 8,2 (95%-Konfidenzintervall zwischen 7,3 und 9,3) und in Gruppe C bei 6,4 Monaten (95%-Konfidenzintervall zwischen 3,2 und 9,6). Den größten Unterschied beim Parameter Gesamtüberleben stellten Gioulbasanis und seine Kollegen bei den Adipösen fest: In Gruppe A mit normalem Ernährungszustand lag das mediane Überleben bei 15,2 Monaten, in der Gruppe C mit Mangelernährung dagegen bei 4,9 Monaten. Die Unterschiede waren in der Subgruppenanalyse nur bei den älteren Studienteilnehmern signifikant, die mindestens 70 Jahre alt waren.

Quelle: springermedizin.de basierend auf: Gioulbasanis I et al. Nutritional assessment in overweight and obese patients with metastatic cancer: Does it make sense? Ann Oncol 2014; online 30. Oktober. doi: 10.1093/annonc/mdu501

Autor: Peter Leiner