Persönliche Herausforderung im Alltag

Momentan erzähle ich euch ja von den größten Herausforderungen, die sich durch mein Stoma für mich und meine Umwelt ergeben haben. Die wohl größte Herausforderung im Alltag ist tatsächlich die Kleidung. Die Frage, was man mit einem Stoma anzieht, ohne dass sich der Beutel darunter abzeichnet, beschäftigt mich tagtäglich. Mein Beutel ist relativ groß und schaut einfach unter vielen Oberteilen heraus.

Wie ihr euch vorstellen könnt, mag ich das überhaupt nicht, wenn irgendwelche fremde Menschen sehen, dass ich ein Stoma trage – auch, wenn ich wie ihr letztlich ja auch an diesem Blog sehen könnt, relativ offen damit umgehe. Gleichzeitig möchte ich natürlich auch gut aussehen und Kleidung tragen, die ich wirklich mag und nicht nur praktisch ist. Ich habe erst versucht lange Pullis zu tragen, die haben aber ganz schön aufgetragen und ich sah dadurch deutlich fülliger aus, als ich tatsächlich bin. War nicht gerade schick…! Was ich dann für mich entdeckt haben, waren Long Tops ohne Ärmel. Diese Long Tops kann ich sehr gut unter meinen Klamotten tragen. Dadurch wird mein Stoma-Beutel gut kaschiert und keinem fällt irgendwas auf. So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sieht keiner, dass ich ein Stoma habe, zum anderen gibt es dem Beutel einen besseren Halt im Alltag. Auch unter die Sommerkleidung passen diese Tops sehr gut, leider gibt es aber scheinbar keine Long Tops mit Ärmeln für den Winter. Ich weiß, diese Herausforderung ist ein sehr weibliches Problem, allerdings bin ich ja auch weiblich… 😉

Wäschekorb und schweres Tragen für Stoma-Träger

Was mich im Alltag außerdem noch vor eine große Herausforderung gestellt hat, ist das Heben von Gegenständen. Die Frage, wie ich es schaffe meinen Haushalt zu machen ohne dabei zu schwer zu heben, treibt mich nach wie vor um. Die Aussagen, was ich problemlos kann und ab wann es zu schwer wird, gehen seitens meiner Ärzte dann doch etwas auseinander. Vor allem direkt nach meiner OP war das sehr schwierig, da alles noch heilen musste und es besonders wichtig ist nicht zu schwer zu tragen. Aber auch nach der Wundheilung ist das Thema nicht aus der Welt…! Wir Stomaträger müssen immer aufpassen nicht zu viel zu heben. Es besteht immer das Risiko eines Bauchdeckenbruchs, so genannter Hernien, und die sind nicht wirklich schön und nicht einfach zu behandeln. Die erste Zeit nach der Anlage des Stomas habe ich kaum etwas gehoben und bin beispielsweise auch mehrmals zur Waschmaschine gegangen, um sie zu füllen. „Lieber öfter laufen, als einmal zu viel angehoben und schon ist die Bauchdecke kaputt“, dachte ich mir. Ich habe den Wäschekorb dann langsam immer mehr gefüllt, bis ich das Gefühl hatte, dass ich ihn jetzt auch wieder voll tragen könne. Das hat allerdings Monate gedauert.

Bitte passt immer auf euch und euren Bauch auf! Mein Tipp dazu: Tragt nicht mehr als 10 Kilo auf einmal.

Das waren meine beiden größten Herausforderungen auf den Alltag bezogen, weitere hatte ich in anderen Bereichen meines Lebens, davon werde ich euch dann noch berichten.

Eure Melanie