Persönliche Herausforderung im Hobby

Moin, ihr Lieben! 🙂

Wie ihr ja schon mitbekommen habt, bin ich ehrenamtlich bei der DLRG tätig. Sowohl als Rettungsschwimmerin, als auch als Ausbilderin – und das hat mich schon vor die ein oder andere Herausforderung gestellt. Meine erste Frage nach der OP war, ob ich mit dem Stoma überhaupt rettungsfähig, also in der körperlichen Lage bin, einen Ertrinkenden zu retten? Meine Ärzte waren sich da leider alle einig: Auf keinen Fall! Mit Stoma soll ich nicht mehr als 10 kg heben und ein Mensch hat ja bekanntlich das ein oder andere Gramm mehr… 😉

Ok, dachte ich, der direkte Einsatzbereich ist erstmal tabu. Das war aber noch lange kein Grund für mich, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich bin ja auch noch Ausbilderin und Referentin, zumindest das sollte doch wohl funktionieren. Vor dem Stoma habe ich als Kursleiterin Erziehern in Hamburg das DRSA (Deutsches Rettungsschwimmabzeichen) abgenommen. Darf ich das mit Stoma immer noch machen, auch wenn ich keinen Menschen mehr aus dem Wasser heben darf? Klar geht das! Ich muss nur darauf achten, dass ich immer Helfer habe, die retten und heben können. Alles kein Problem, schließlich mache ich diese Kurse ja nicht alleine. Mein Wissen und meine Art auszubilden sind ja nicht durch das Stoma verschwunden. Also habe ich mich getraut und es weiter gemacht, ganz wie bisher.

Die Realität sah dann jedoch etwas anderes aus, als gedacht: Die Sicherheitsfragen waren geklärt, genügend Helfer hatte ich auch. Was ich allerdings nicht bedacht hatte, war die Durchführung mit dem Beutel selbst. Die letzte Nacht vor meinem ersten Kurs nach der Stomaanlage habe ich ganz schön schlecht geschlafen und geträumt. Was soll ich bloß machen, wenn mein Beutel voll ist und ich auf die Toilette muss, ich aber gerade am Referieren bin? Oder ich merke es erst gar nicht und der Beutel platzt oder er ist einfach nur laut, oder…oder…oder…viel zu viele Gedanken, Befürchtungen und Ängste. Ich kann euch sagen, es ist nichts, aber auch gar nichts von alldem passiert. Die schlechte Nacht davor war vollkommen umsonst.

Heute habe ich sogar das Selbstbewusstsein, mitten in einer Schulung auf die Toilette zu gehen. Dann gibt es für die Teilnehmer halt mal eine 5 Minuten-Pause… 😉 Im Theorieunterricht bekommt keiner mit, ob ich nun ein Stoma habe oder nicht und es liegt bei mir ob ich es sage oder nicht. Anders ist das natürlich in der Praxis, da geht es immer in die Schwimmhalle. Oft gehe ich mit meinen Teilnehmern auch ins Wasser und spätestens da sieht man, dass mein Bauch etwas anders aussieht, als normal. Mal fragen die Teilnehmer, was das ist oder wissen es sogar schon, manchmal fragen sie aber auch gar nicht. Aber bisher hat nie jemand negativ oder abwertend reagiert und dafür bin ich auch sehr dankbar!

Wie ihr merkt, betreibe ich mein Hobby heute fast genauso wie vor der Stomaanlage und lasse mich so wenig wie möglich einschränken. Klar ging das nicht von heute auf morgen, aber über die Zeit habe ich es geschafft. Sogar auch im Einsatzbereich an der Ostsee bin ich wieder angekommen und kann auch dort meinen Beitrag für einen sicheren Strand leisten.

Bis Bald,
eure Melanie

Melanie als DLRG-Referentin