Podcast – Krankenhausentlassung #003 – Therapiebereich Schmerz

In unserer Reihe Krankenhausentlassung widmen wir uns heute dem Therapiebereich Schmerz.
Im Therapiebereich Schmerz der GHD GesundHeits GmbH Deutschland betreuen wir im Schwerpunkt Patienten mit Tumorschmerzen, die eine subkutane, intravenöse oder periduale patientenkontrollierte Analgesie (PCA) erhalten.

Was das bedeutet, hören Sie in unserem Podcast.

Der komplette Podcast zum Nachlesen:

Hallo und herzlich willkommen zum dritten Podcast rund um das Thema Krankenhausentlassung!

Mein Name ist Christiane Wahlen. Zusammen mit meiner Kollegin Nadine Reithmeyer spreche ich heute über den Therapiebereich Schmerz.

Wir beide sind Kolleginnen bei der GHD GesundHeits GmbH Deutschland.

Hallo Nadine,

schön, dass wir heute wieder zusammensitzen.

Hallo Christiane!

Im Therapiebereich Schmerz der GHD GesundHeits GmbH Deutschland betreuen wir im Schwerpunkt Patienten mit Tumorschmerzen, die eine subkutane, intravenöse oder periduale patientenkontrollierte Analgesie (PCA) erhalten. Was bedeutet das?

Also subkutane Injektion bedeutet, dass ein Medikament „unter die Haut“ gespritzt wird. Intravenöse Medikamentengabe wird über einen Zugang über die Vene verabreicht. Das kann dauerhaft oder mehrmals täglich erfolgen.

Bei der peridualen patientenkontrollierten Analgesie (kurz PCA) wird ein Katheter in den Peridualraum gelegt und mit einem Medikament geflutet. Peridualraum ist ein anatomischer Spaltraum, der im Bereich der Rückenmarkshäute vorkommt.

Hier läuft nun das Schmerzmedikament in kleinen Dosen kontinuierlich. Der Kunde kann sich bei Bedarf zusätzlich einen Bolus verabreichen, per Knopfdruck über eine Pumpe.

So hat der Patient die Möglichkeit, die Medikation individuell nach seinem Schmerzempfinden zu steuern.

Wie läuft eine Krankenhausentlassung bei einem Patienten, der eine Schmerztherapie benötigt?

Vorab nochmal zum besseren Verständnis: die Patienten haben meistens eine lange Krankengeschichte mit vielen Krankenhausaufenthalten hinter sich.
Wenn wir hinzugezogen werden, geht es um eine Schmerzreduktion außerhalb der Klinik.

Das bedeutet für uns ein Höchstmaß an Organisation, Kommunikation und Einfühlungsvermögen für den Patienten. Insgesamt ist das eine sehr individuelle und zeitintensive Betreuung des Patienten.

Der Entlassprozess unterscheidet sich im Großen und Ganzen nicht vom Prozess wie in unserem ersten Podcast beschrieben.

Die Patienten werden im Idealfall gemeldet, wenn sie aufgenommen werden.

Ich hatte die Problematik bereits im ersten Podcast angesprochen – meistens werden wir erst 1-2 Tage vor der Entlassung hinzugezogen.

Es wird dann ausführlich mit allen beteiligten Berufsgruppen besprochen, welche Schmerztherapie der Patient erhält und wie diese zu Hause fortgeführt werden soll.

Wichtige Aspekte dabei sind: die Versorgung durch Angehörig und den Pflegedienst sowie die Deeskalation bei Schmerzspitzen.

Kannst du das bitte genauer erläutern – was ist daran besonders wichtig und was sind Schmerzspitzen?

Schmerzspitzen sind Schmerzen, die plötzlich zusätzlich zu den sowieso vorhandenen und in der Regel gut kontrollierbaren Schmerzen auftreten. Hier ist es besonders wichtig, dass die Versorgenden bzw. der Patient selbst genau wissen, wie sie dann vorgehen können. Zum Beispiel wen sie anrufen können, wie eine Bolusgabe funktioniert oder vielleicht eine andere schmerzlindernde Maßnahme sofort angewendet werden kann (z.B Kälte/Wärme/ Verdunkeln des Zimmers etc.).

Die enge Kommunikation untereinander gibt dem Patienten die Sicherheit, dass wir in solchen Situationen schnellstmöglich reagieren und helfen können.

Wie sind deine Erfahrungen mit Schmerzpatienten bei der Entlassung?

In der Regel sind die Patienten zufrieden, wenn sie gut eingestellt nach Hause dürfen. Dennoch bleibt immer eine gewisse „Restangst“ vor erneuten Schmerzeskalationen.

Für solche Situationen sind wir als Homecare Manager der GHD GesundHeits GmbH Deutschland mit unseren speziellen Angeboten wie Rufbereitschaft und dem Netzwerk im Bereich Palliativmedizin sehr gut aufgestellt.

Im Krankenhaus ist der Patient erfolgreich auf Betäubungsmittel eingestellt. Droht dann bei Entlassung ein Abriss der Versorgung?

Wenn wir genügend Vorlauf haben und im Vorwege die Rezeptierung geklärt ist, nein.

Das kann aber nur funktionieren, wenn alle Beteiligten innerhalb der Klinik den Versorgungsplan bzw. den Entlassprozess einhalten und wichtige Informationen untereinander weitergeben.

Ich denke hier an den Zeitpunkt der Entlassung.

Christiane, stell dir doch bitte mal folgendes vor: ich werde erst einen Tag vor der Entlassung informiert und muss innerhalb von 24 Stunden einen Pflegedienst, das Schmerzmittel bzw. das Rezept und die Pumpe besorgen sowie den Homecare Manager informieren. Termine zur Einweisung in die Pumpe mit dem Homecare-Kollegen, dem Pflegedienst und den Angehörigen und dem Patienten abstimmen. Die Angehörigen und der Patient müssen informiert und geschult werden. Das bedeutet Angst, Unruhe und Stress für den Patienten und deren Angehörige, da der Patient bislang eine Rundum-Betreuung in der Klinik gewöhnt war und nun ad hoc entlassen werden soll.

Das ist gut nachvollziehbar. Wie sieht es in der Praxis aus? Sind aus deiner Sicht die Abläufe im Entlassmanagement dahingehend schon optimiert worden?

Jein, viele Kliniken haben sich schon gut aufgestellt, sind aber sicher noch nicht am Ende in der Umsetzung des gesetzlich geforderten Entlassmanagements.

Eine Nachfrage noch zu den Betäubungsmitteln im ambulanten Bereich: Gibt es hier besondere Herausforderungen beim Rezeptmanagement?

Hierbei ist ganz wichtig zu beachten, dass eine reibungslose Medikamentenversorgung gewährleistet ist.

Die Apotheke sollte in der Lage sein, das Medikament innerhalb von 12 Stunden bereitzustellen. Das Rezept ist nur 7 Tage gültig. Die Dokumentation bei der Verabreichung von Betäubungsmitteln ist verpflichtend.

Wie wichtig ist hier die Compliance mit dem Patienten?

Das Schmerzempfinden ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Hier ist es besonders wichtig, dass wir im engen Austausch mit dem Patienten sind, um die Wirkung und das Schmerzempfinden zu beurteilen und ggf. zu optimieren. Der Patient muss in der Lage sein, eine Schmerzeinschätzung an den behandelnden Arzt zu geben.

Und hier gibt es noch eine besondere Herausforderung, wenn der Patient nicht mehr in der Lage ist, sich verbal zu äußern.

Dann müssen Angehörige und/oder Bezugspfleger eine Schmerzeinschätzung abgeben. Hier kommen auch Schmerzskalen zum Einsatz.

Wie funktioniert der Einsatz einer Schmerzskala?

Können die Patienten sich noch selbst mitteilen, fragt man anhand einer Skala von 1-10,  wobei 1 wenig bis kein Schmerz und 10 schlimmster erlebter Schmerz bedeutet.

Bei der Fremdeinschätzung werden beschreibende Skalen benutzt, in der beispielsweise nach motorischer Unruhe und Kaltschweißigkeit gefragt wird.

Wann kommt diese Schmerztherapieform zum Einsatz?

Bei der Auswahl der Medikamente bzw. Therapieform werden individuelle Risiken (z.B. Begleiterkrankungen) und auch Wünsche des Patienten berücksichtigt. Grundsätzlich werden die Patienten nach dem Stufenplan der WHO behandelt und eingestellt. Das bedeutet, dass man sich von Stufe 1 (nicht opioide Schmerzmittel) bis Stufe 4 (z. B. rückenmarksnahe Opioide wie unsere PCA) bewegen kann.

Ein sehr komplexes Thema. Vielen Dank, Nadine, für den Einblick in diesen speziellen Bereich der Versorgung im Entlassmanagement.

Gerne!

Im nächsten Podcast werden wir uns gemeinsam mit einem Gast dem Thema Entlassung aus dem Krankenhaus in eine stationäre Pflegeeinrichtung widmen.

Bei Fragen rund um das Thema Schmerz oder zu unseren anderen Therapiebereichen schauen Sie gerne auf die Homepage der GHD GesundHeits GmbH Deutschland www.gesundheitsgmbh.de oder nutzt unseren Chat.

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