Riechen will gelernt sein

Endlich, heute Nacht hat es geregnet! Als ich heute Morgen meine Terrassentür öffne strömt der würzige Geruch von feuchtem Kiefernwald in mein Wohnzimmer.

Wie unglaublich schön, ich schließe die Augen und erinnere mich! Welche Emotionen, welch starkes Gefühl! Riechen; der unmittelbarste Sinn, der nicht in der Großhirnrinde verarbeitet wird, sondern unmittelbar zum limbischen System führt, wo Triebe und Emotionen gelenkt werden. Aber was ist, wenn durch eine schwerwiegende Operation dieser Weg getrennt wird? Wie viel Lebensqualität geht dann vorübergehend verloren?

Über viele Berufsjahre hatte ich die Chance mit Kopf-, Halstumorpatienten zu arbeiten. So konnte ich gerade im Bereich des Riechens viele Erfahrungen sammeln, die ich gerne an Sie weitergeben möchte. Riechen kann man wieder erlernen, man muss allerdings dazu bereit sein, neu zu trainieren und das Kompensieren üben.

Riechen – wie funktioniert das eigentlich?

Viele Materialien sondern Moleküle in Form von Duft ab! Wenn ich tief einatme, gelangen diese zum Ende der Nasenhöhle und werden vom Riechkolben zum Gehirn geleitet. Wussten sie, dass sich alle 4–7 Wochen die Rezeptoren erneuern und wir ca. 450 Düfte wahrnehmen?

Das bedeutet, dass durch die Bestrahlung und die Chemotherapie die Rezeptoren erst einmal komplett vernichtet werden. Und dann? Die zwei Hirnnerven brauchen wieder neue Informationen.Der Trigeminus (ist zum Teil für das Schmerz empfinden zuständig) reagiert auf extrem unangenehme Gerüche (Rauch, Zwiebel oder Kleber usw.), der Olfaktorius steuert das eigentliche Riechen. Dabei kommt noch hinzu, dass erst Riechen und Schmecken einen Gourmet aus uns macht.

Also, kompliziert, aber „heilbar“!

Durch eine Trachealkanüle oder durch den Verlust des Kehlkopfes, verändert sich die Luftzirkulation in der Nase. Es kommt zu Einschränkungen oder zum kompletten Verlust! Genau da setzen wir an. Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten, wieder „Zugluft“ an den Riechkolben zu bekommen.

1. Versuchen Sie mit geschlossenen Mund, wie ein Hase zu „mümmeln“ (schnell kauen) und fächern sich vor der Nase ein Parfüm getränktes Tuch schnell hin und her! Die aufsteigende Zugluft erreicht den Riechkolben und Sie lernen das Riechen wieder neu.

2. Die zweite Möglichkeit ist etwas unangenehmer,da sie oft im Mund ein „pelziges Gefühl“ hinterlässt.Aber es funktioniert. Machen sie „dicke Backen“ und öffnen und schließen Sie Ihren Mund schnell! (wie ein Karpfen), wiederum fächern und mit etwas Geduld wir die Zirkulationsluft, über den Mund, am Zäpfchen vorbei zum Riechkolben strömen. Bitte vergessen Sie die zwei Hirnnerven nicht! Der eine reagiert erst über Duft, der andere über „Gestank“.Versuchen Sie es in beide Richtungen, Ihrer Phantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Das ist der Grundeinstieg für Nase ausschnauben,Schmecken und vieles mehr. Aber das erkläre ich doch lieber im nächsten Beitrag. Haben Sie Geduld und bleiben Sie am Ball! Da ich selbst seit 20 Jahren schwer behindert bin, weiß ich, wie viel Geduld man mit sich selber haben muss. Also los: „In der Ruhe liegt die Kraft“

Ihre Elke Breitenfeldt

An einer Blume riechen