Traditionelle chinesische Medizin versus Schulmedizin – nur ein scheinbarer Widerspruch?

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) ist aus westlicher Sicht schwer nachzuvollziehen, da die Wirkungsweise nicht mit den gängigen naturwissenschaftlichen Prinzipien vereinbar ist.

Dass sie funktioniert, beweisen jedoch tausende Jahre erfolgreicher Anwendung.
Der scheinbare Widerspruch, der zwischen der TCM und der westlichen Schulmedizin entsteht, liegt zunächst einmal an den grundsätzlich verschiedenen Ansätzen.
Während es in der westlichen Medizin für alles einen Spezialisten (Orthopäde, Gynäkologe, Psychotherapeut etc.) gibt und dieser meist nicht über eine ganzheitliche Betrachtungsweise verfügt, bezieht sich ein TCM-Therapeut auf den gesamten Menschen und die Zusammenhänge zwischen den Beschwerden und der Lebenssituation (Umfeld, Ernährung etc.). Man sagt „Die Schulmedizin behandelt Krankheiten, die TCM behandelt kranke Menschen“.
Dies spiegelt sich besonders im Diagnoseverfahren wider. Hat der Patient beispielsweise Knieschmerzen, untersucht ein westlicher Arzt das Knie und stellt daraufhin die Diagnose, zum Beispiel Kniegelenksarthrose. Ein TCM-Praktiker hingegen erfragt das gesamte Befinden, misst den Puls, untersucht die Zunge und die Haltung. Aus dieser ausführlichen Anamnese (Aufnahme der Krankengeschichte) heraus kann in der traditionellen chinesischen Medizin zwischen 12 verschiedenen Arten Kniegelenksarthrose unterschieden werden.

Oft werden auch bestimmte Arten von Schmerzen in der westlichen Medizin bloß mit Schmerzmitteln unterdrückt. In der chinesischen Medizin wird aber die weitergehende Ursache herausgefunden und nicht nur das Symptom behandelt.

Es werden nicht nur die unmittelbaren Ursachen und deren Auswirkungen betrachtet, sondern der gesamte Energiefluss (das Qi) und wie bzw. wodurch dieser beeinflusst wird. Wichtig ist auch, dass Körper und Geist als Einheit und nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Da die TCM jedoch einen großen Wert auf diese Ausführlichkeit legt, ist sie bei akuten Krankheiten, wie z.B. einem Herzinfarkt, nicht geeignet. Des Weiteren findet die chinesische Medizin auch bei Krebserkrankungen ihre Grenzen, wohingegen sie bei chronischen Krankheiten wie Allergien oder Schlafstörungen oftmals erfolgreichere Behandlungsmethoden aufweist als die Schulmedizin.
Trotz unterschiedlicher Ansätze und Betrachtungsweisen des menschlichen Organismus ergänzen sich die beiden Praktiken und setzen da an, wo die andere nicht weiterkommt. Daher sollte sich der Patient entscheiden, ob nicht vielleicht die jeweils andere Methode für ihn in Frage kommt, wenn die Behandlung nicht richtig anschlägt.