Umfrage zu Pflegebedürftigkeit: Viele Deutsche gehen dem Thema aus dem Weg

Trotz intensiver öffentlicher Debatten um demografischen Wandel und die Zukunft der Pflege gehen viele Deutsche dem Thema der eigenen Pflegebedürftigkeit aus dem Weg, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt.

Änderungen durch die Pflegereform: Der Mehrheit unbekannt

Die zum Jahreswechsel anstehenden umfassenden Veränderungen in der Pflegeversicherung sind der Mehrheit der Deutschen unbekannt:  51 Prozent der Befragten gaben an, keinerlei Kenntnis von den Neuerungen zu haben. 38 Prozent haben immerhin davon gehört oder gelesen, nur rund jeder Zehnte (11 Prozent) hat sich bereits aktiv informiert. Auch die eigene Vorsorge für den Pflegefall ist für viele Menschen in Deutschland kein Thema: Vier von zehn Befragten haben sich zum Thema Pflegeversicherung in eigener Sache noch keinerlei Gedanken gemacht. Dabei sind die höher Gebildeten besonders sorglos, unter ihnen gaben 46 Prozent an, sich noch nicht mit dieser Frage beschäftigt zu haben. Allerdings steigt mit zunehmendem Alter das Interesse deutlich an –  haben unter den 18- bis 39-Jährigen noch 61 Prozent das Thema bislang gemieden, so trifft das bei den über 60-Jährigen nur noch auf rund jeden Vierten zu (27 Prozent). Doch nicht nur das Alter beeinflusst die Affinität: So haben sich zwei Drittel der Menschen, die in einer Beziehung leben, bereits mit dem Thema auseinandergesetzt  – unter den Singles sind es hingegen 53 Prozent.

Im Pflegefall nicht genug – zwei Drittel betrachten eigene Vorsorge als mangelhaft

Auch die konkrete eigene Vorsorge für einen möglichen Pflegefall betrachten viele Deutsche kritisch. Zwar trägt die Pflegeversicherung im Falle einer Pflegebedürftigkeit für gesetzlich Pflegeversicherte einen Teil der Kosten, jedoch fallen beispielsweise bei einer Heimunterbringung für Versicherte neben den Kosten für den Platz im Heim weitere Kosten im Alltag an. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, für einen solchen Fall nicht ausreichend vorgesorgt zu haben. Besonders groß ist die Skepsis bei den Jüngeren: 78 Prozent der 18- bis 39-Jährigen sehen die eigene Vorsorge kritisch. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil derer, die die eigene Vorsorge für ausreichend halten jedoch an. Bei den über 60-Jährigen sind es immerhin 45 Prozent.

Zwar wissen fast alle Befragten (96 Prozent), dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten deckt. Wie viel ein Heimplatz in der höchsten Pflegestufe tatsächlich durchschnittlich kostet, schätzt jedoch nur knapp jeder Dritte (32 Prozent) korrekt ein. Im Bundesdurchschnitt kostet ein solcher Platz monatlich rund 3.600 Euro. In der aktuell höchsten Pflegestufe III übernimmt die Pflegekasse davon 1.612 Euro, in besonderen Härtefällen bis zu 1.995 Euro. Ab 1. Januar 2017 übernimmt die Pflegeversicherung bis zu 2.005 Euro.

Gründe für mangelnde Vorsorge: Kosten und Verlass auf Andere

Hauptgrund für diese mangelnde Vorsorge ist der Faktor Finanzen – 68 Prozent derjenigen, die die eigene Vorsorge kritisch sehen, nannten hierfür Kostengründe. Vor allem Frauen nannten häufig diesen Grund, (73 Prozent, Männer: 61 Prozent).

Fast jeder Zweite verlässt sich zudem im Ernstfall darauf, dass Freunde oder Familienmitglieder einspringen. Vor allem die 18- bis 29-Jährigen setzen auf ein tatkräftiges soziales Umfeld, 58 Prozent von ihnen nannten diesen Grund. Darauf, dass der Staat im Notfall finanziell einspringt, vertraut knapp jeder Dritte (31 Prozent). Und: Ein Teil der Befragten blendet das Thema schlichtweg aus. So gaben 41 Prozent an, sich noch nicht mit der eigenen Vorsorge befasst zu haben – und immerhin jeder Fünfte (21 Prozent) hält die Wahrscheinlichkeit, selbst ein Pflegefall zu werden, für zu gering.

Georg van Elst, Pflegeexperte der TK erläutert: ‘Die Zahlen zeigen, dass vielen durchaus bewusst ist, wie wichtig Vorsorge für einen möglichen Pflegefall ist. Andererseits fehlen der Wille und teilweise auch die Möglichkeiten, sich vorzubereiten. Es ist menschlich verständlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema schwerfällt. Angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger in den kommenden Jahren, empfiehlt es sich aber, die aktuellen Veränderungen zum Anlass zu nehmen, um sich mit dem Thema zu befassen.’

Quelle: Techniker Krankenkasse