Anja Bothe

Eine Ausbildung in einem Handwerksberuf ist für die meisten jungen Menschen heute nicht die erste Wahl. Dabei gibt es so viele Argumente, die für einen Handwerksberuf sprechen.

Die OTB GmbH und die GHD GesundHeits GmbH Deutschland bilden seit Jahren die beiden Handwerksberufe Orthopädieschuhmacher und Orthopädietechniker aus. Der beste Beweis für eine gute und erfolgreiche Ausbildung ist die Auszeichnung eines Auszubildenden. Solch eine hat Anja Bothe, 20 Jahre, Orthopädieschuhtechnikerin bei der OTB GmbH in Brandenburg/Havel erreicht. Sie wurde zur Landessiegerin 2020 gekürt. Was das bedeutet und wie es dazu kam, haben wir mit Anja Bothe und ihrem leitenden Meister Jonas Friedrich besprochen.

Frau Bothe, zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Leistung. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie persönlich?

Danke. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Natürlich freue ich mich riesig und bin auch ein bisschen stolz. Die Auszeichnung öffnet mir unter anderem Türen in meiner beruflichen Weiterentwicklung. So kann ich mich damit auf ein Stipendium für die Meisterschule oder für verschiedene Qualifikationen bewerben.

Herr Friedrich, können Sie uns kurz die Hintergründe dieser Auszeichnung erläutern? Wie kommt man dazu?

Den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks gibt es seit vielen Jahren. Junge Handwerksgesellen schließen ihre Ausbildung mit einer Gesellenprüfung ab. Diese Prüfung umfasst einen theoretischen und praktischen Teil. Zunächst wird das Ergebnis der Gesellenprüfung bewertet. Die Besten innerhalb der Kammer erhalten die Auszeichnung „Kammer- oder Innungssieger“. Darauf folgt der Wettbewerb auf Landesebene, in dem man sich wiederum für die Auszeichnung zum Bundessieger qualifiziert. In diesem Jahr wurden über 800 Landessieger/innen in 90 Wettbewerbsberufen ausgezeichnet. Grundsätzlich ist das Erreichen dieses Titels eine anspruchsvolle und harte Nummer. Es gehört viel Leidenschaft, Interesse und natürlich handwerkliches Geschick dazu. Umso mehr freuen wir uns alle über diese tolle Leistung.

Als ausbildendes Unternehmen sind Sie natürlich auch am Erfolg beteiligt. Was bedeutet diese Auszeichnung Ihres Schützlings für Sie?

In erster Linie ist der Erfolg natürlich Frau Bothe selbst zu verdanken. Ihre Leistung, Motivation und Ihr unermüdlicher Wissensdurst haben das möglich gemacht. Und ganz ehrlich gesagt, ist dieses hervorragende Ergebnis nicht mein persönlicher Verdienst, da ich nur die letzten Ausbildungsmonate von Frau Bothe begleitet habe. Dennoch bin ich natürlich ausgesprochen stolz. Ein großer Dank gebührt dem gesamten Team der orthopädischen Werkstatt (OTB GmbH) in Brandenburg. Alle haben Frau Bothe in ihrem Lernprozess angeleitet und unterstützt. Das tolle Ergebnis freut uns alle sehr und gibt uns die Gewissheit, dass wir es richtigmachen.

Frau Bothe, wie schwer war es für Sie, die Anforderungen umzusetzen und nun diese Auszeichnung zu erhalten?

Von dem Wettbewerb wusste ich bei Abschluss meiner Ausbildung gar nicht. Ich habe meine Gesellenprüfung also ohne das Ziel einer besonderen Auszeichnung gemacht. Mein eigener Anspruch an den Abschluss meiner Ausbildung war sehr hoch, denn ich bin von Natur aus sehr ehrgeizig. Eine Abschlussnote schlechter als Zwei war für mich deshalb nicht erstrebenswert. Als ich dann die Nachricht erhielt, dass ich sogar Innungssiegerin bin, war ich wirklich überrascht und hätte mir zu dem Zeitpunkt nicht träumen lassen, es auch zur Landessiegern zu schaffen. An dieser Stelle möchte ich unbedingt auch dem Team der orthopädischen Werkstatt in Brandenburg/Havel danken. Alle Kolleg*innen hier waren von Beginn an immer für mich da und haben mit mir ihre Erfahrungen und ihr Wissen geteilt.

Was war die Grundlage für die Bewertung? Sicher auch Ihr Gesellenstück?

Ja, neben der theoretischen Prüfung flossen auch die Gesellenstücke in die Gesamtwertung ein. Wir hatten die Aufgabe, eine stützende orthopädische Einlage und ein Paar orthopädische Maßschuhe anzufertigen. Die Basis dazu war ein Leisten und kein echter Patient. Ich musste selbst entscheiden, welche Elemente ich einarbeite, um den Fuß korrekt zu stützen.

Eingangs erwähnten Sie die Möglichkeit auf ein Stipendium. Wie sehen denn Ihre beruflichen Zukunftspläne aus?

Also erst einmal werde ich „ganz normal“ weitermachen und möglichst viel Berufserfahrung sammeln. Später werde ich es wagen und mich auf ein Stipendium bewerben. Wenn das klappt, dann würde ich sehr gern den Meister machen.

Orthopädieschuhmacherin ist ja nun nicht der bekannteste Beruf. Wie sind Sie zu dieser Ausbildung gekommen?

Von Anfang an stand für mich fest, dass ich einen handwerklichen Beruf erlernen will. Die orthopädische Werkstatt in Brandenburg/Havel war eher ein Zufall – und auch ein Glücksgriff. Ich habe zunächst ein Praktikum in der Orthopädietechnik und der Orthopädieschuhtechnik der OTB GmbH gemacht. Ab da stand es fest: Ich möchte Orthopädieschuhmacherin werden.

Wie würden Sie anderen jungen Menschen Ihren Beruf beschreiben? Was macht ihn aus?

Ich erkläre das meist sehr anschaulich, weil sich die meisten tatsächlich recht wenig darunter vorstellen können. Wir fertigen Einlagen, Maßschuhe für erkrankte, verletzte oder deformierte Füße und helfen den Menschen wieder zurück in ein möglichst beschwerdefreies Leben. Wenn der Fuß zum Beispiel beim Laufen nach innen knickt (Knick-Senkfuß), kann eine bettende Einlage die Fehlstellung korrigieren und Schmerzen lindern. Es gleicht kein Tag dem anderen. Ob in der Werkstatt oder direkt im Kontakt mit den Patienten, man muss sich stets auf neue Herausforderungen einstellen und Lösungen finden. Die schönste Belohnung ist aber immer wieder ein lächelnder und zufriedener Kunde.

Vielen Dank Frau Bothe und Herr Friedrich für das Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Gesellenstück Anja Bothe

Zum Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW – Profis leisten was)

Den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks gibt es seit über 70 Jahren. Junge Handwerksgesellen schließen ihre Ausbildung mit einer Gesellenprüfung, einem theoretischen und einem praktischen Teil ab. Die Besten innerhalb der Kammer/Innung erhalten die Auszeichnung „Innungssieger“. Darauf folgt der Wettbewerb auf Landesebene, in dem man sich wiederum für die Auszeichnung zum Bundessieger qualifiziert. In diesem Jahr wurden über 800 Landessieger/innen in 90 Wettbewerbsberufen ausgezeichnet.