Zwischen Fieber und Bewegungsfreiheit – Der zweite Impftermin mit Spina Bifida

Beim zweiten Impftermin ging alles rasch: Das Impfzentrum war wie gehabt über eine rollstuhlgerechte Rampe zugänglich, die Anmeldung gewohnt freundlich und kompetent. Dann ein kurzes, mir sehr sympathisch schwarzhumoriges Gespräch mit dem Impfarzt über das Risiko von rechtsgedrehten Rollstuhlkreisfahrten nach linksseitiger Oberarmimpfung. PIEKS! –  Spürbar, aber nicht schmerzhaft. Das Ablenkungsmanöver des Arztes war geglückt und der gestöchelte Arm einsatzbereit, nur die Einstichstelle schmerzte ein wenig. Nichts gravierendes also… bis dahin.

Am ersten Morgen danach hämmerte mein Kopf, wie der Presslufthammer renitenter Bautrupps morgens um halb sechs. Der geimpfte Oberarm tat weh, wie nach dem freundschaftlichen Hieb eines Schwergewichtsboxers. An ‚am Rad drehen‘ war kaum zu denken. Allgemein schmerzten die Glieder, wie nach einer Bergwanderung… nur weniger befriedigend. Das Fieber steigerte sich über den Tag und mit ihm der Durst. Der Arzt im Impfzentrum hatte vorwarnend schon darauf hingewiesen, ich solle viel trinken. Also war mein erstes Ziel nach der Impfspritze der nächste Supermarkt gewesen. Dort kaufte ich mehrere Liter meiner Lieblingsmarke Mineralwasser, bevor ich mich gut versorgt in Erwartung der, durch die erste Impfung mir bekannten, Symptome in meiner Wohnung verbarrikadierte. Beim Fieber brachte das Trinken schließlich leichte Besserung. Als die starken Kopfschmerzen aber abends nicht besser wurden, schnappte ich mir – was ich selten tue – eine Kopfschmerztablette und schlief ziemlich geplättet ein.

Am zweiten Morgen ging es mir schon deutlich besser. Das Fieber war bereits weg, die Kopfschmerzen nur noch ein leichter Hauch dessen, was mir am Vortag durch den Kopf ging. War ich am Vortag noch wie gelähmt durch Glieder- und Oberarmschmerzen, so war auch davon nur noch eine allgemeine Schlappheit übrig geblieben und ich konnte wieder ungehindert am Rollstuhl-Rad drehen. Am dritten Morgen war ich dann voll einsatzbereit – mit der angemessenen Vorsicht nach einer Impfung versteht sich! Wichtig: Marathonartige Ausflüge, möglicherweise Muskelkraft stärkende Einkäufe oder gar Leistungssport müssen nach einer Impfung ein paar Tage warten.

Impfungen und Spina Bifida

Das einzige ungewöhnliche Vorkommnis war nach zwei Impfungen, dass ungefähr eine Woche nach der Erstimpfung leichte hämmernde Kopfschmerzen wieder auftauchten. Schon seit frühster Kindheit weiß ich, dass dann bei Spina Bifida und einem sogenannten Shunt-Ventilsystem, neben der Abklärung von Impfnebenwirkungen, zusätzliche Achtsamkeit geboten ist. Mein Hausarzt und ein Neurologe prüften die Funktionstüchtigkeit meines Shunts, um gesundheitliche Folgen durch ein defektes Ventil auszuschließen. Der Neurologe gab mir schnell Entwarnung und die Kopfschmerzen verschwanden innerhalb weniger Tage.

Als aktiver Rollstuhlnutzer ist es mir persönlich wichtig, voll am Leben teilzunehmen, meine Möglichkeiten auszureizen und auch neue zu entdecken. Deswegen habe ich mich auf die Impftermine – nicht die Nebenwirkungen – gefreut. Für mich bedeutet die Impfung im Hinblick auf eine Rückkehr zu einem normalen Alltag ein großes Stück eigener Bewegungsfreiheit und Sicherheit für meine Mitmenschen. Da nehme ich das kurzfristige Außergefechtgesetztsein durch schmerzende Oberarme – als Rollstuhlnutzer ganz entscheidend, um voran zu kommen – gerne in Kauf. Als Leistungssportler ist die Impfung für mich auch ein erster Schritt zurück auf die internationalen Tanzflächen – wo Hygienekonzepte und Sicherheit eine große Rolle spielen.

Erik beim Impfen