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Mein Weg zum Multiplikator Rettungsschwimmen – was sagt mein Stoma dazu?

Moin ihr Lieben, ich habe mich vor einigen Jahren auf den Weg zum Multiplikator Schwimmen/Rettungsschwimmen gemacht, und möchte euch hier berichten, wie ich und mein Stoma damit umgegangen sind. Zunächst aber einmal: was ist überhaupt ein Multiplikator? Ich bin schon sehr lange in der DLRG (Deutsche Lebensrettung Gesellschaft) und bringe seit den 90er-Jahren Kindern das Schwimmen bei. Später kam dann auch die Lehre zur Ausbildung zum Rettungsschwimmen dazu. Da war es dann nur selbstverständlich, dass ich den Ausbildungshelfer im Schwimmen und Rettungsschwimmen mit 15 Jahren abgeschlossen habe. Schließlich wollte ich auch wissen, wie eine gute Ausbildung funktioniert und Kinder richtig und mit Spaß schwimmen lernen. Um dann auch die Verantwortung in der Schwimmhalle tragen zu dürfen und zu können, kam dann der Ausbilder Schwimmen und Rettungsschwimmen dazu, oder auch Lehrschein der DLRG genannt. Den Lehrschein habe ich erst im Jahr 2012 gemacht, da mich auf diesem Weg immer wieder meine Erkrankung der Morbus Crohn davon abgehalten hat. Auch habe ich mir selbst nicht zugetraut, diese Verantwortung zu tragen.

Melli ist an Morbus Crohn erkrankt, aber was ist Morbus Crohn?

Erfahren Sie hier mehr!

Nach dem Lehrschein hatte ich das Selbstbewusstsein, diese Verantwortung zu tragen und das Vertrauen, dass der Morbus Crohn mich nicht mehr davon abhält. Gerade jetzt mit dem Stoma ist das viel leichter, mein Crohn ist ruhig und ich habe eine viel bessere Kontrolle über meine Stuhlgänge. Auch die DLRG hat mir immer viel Mut zugesprochen und mich bei meinem Weg unterstützt. Der Multiplikator ist die letzte Ausbildung und Prüfung, die ich selbst machen kann, mehr gibt es im Bereich Schwimmen und Rettungsschwimmen einfach nicht. Der Multiplikator bildet jetzt nicht mehr die Kinder direkt aus oder bringt den Teilnehmern bei, wie man Menschen aus der Gefahr Wasser wieder rettet, sondern der Multiplikator bildet den zukünftigen Ausbilder/Lehrschein aus. Das heißt, ich bin jetzt offiziell in der Ausbildung der Ausbilder tätig und prüfe auch, ob die Anwärter zum Ausbilder das alles können. Das mache ich natürlich nicht allein, hier gibt es dann eine Prüfungskommission, die ich dann jetzt auch leiten darf. Der Weg dahin war nicht einfach und ich musste noch viel lernen. Gerade mit Prüflingen gut umzugehen, war mir da besonderes wichtig. Kennen wir alle, dass Prüfer manchmal auch nicht wirklich emphatisch sind. Auch die Ausbildung zum Ausbilder möchte ich gut machen, sodass die ausgebildeten Ausbilder wieder eine gute Ausbildung in ihren Schwimmhallen machen. Nur so können viele Kinder sichere Schwimmer werden und gute Rettungsschwimmer. Das ist mein Beitrag, um den Ertrinkungstod zu bekämpfen. Auch wenn ich selbst, mit Stoma, keinen mehr direkt aus dem Wasser heben kann, kann ich doch so auch eine ganze Menge machen. Da ein zukünftiger Multiplikator auch geprüft werden muss, ob dieser die Rolle des Multiplikators auch ausfüllt, stand für mich ein sehr heftiges Wochenende bevor.

Mein Weg zur Prüfung

Zunächst musste ich eine Hausarbeit schreiben, dies habe ich zu Hause gemacht. Diese Hausarbeit habe ich schon letztes Jahr im Oktober geschrieben und abgegeben und dann fiel die Präsenzphase aus. Die praktische Prüfung wurde immer wieder durch Corona verschoben. Im September war es endlich soweit und ich durfte meine Sachen packen und in das Bundesbildungszentrum der DLRG fahren. Prüfung! Ich habe Prüfungsangst, dadurch wurde mein Stressfaktor fast unerträglich. Irgendwie bin ich dann durch meine Prüfung durchgekommen. Freitag war auch alles noch relativ okay, Samstag dann alles auf Prüfung, die aus mehreren Teilen bestand. Da es auch einen Praxisteil im Wasser gab, war es erst nicht ganz klar, wie ich da mitmachen kann. Aber es ging. Ich konnte alles mitmachen und habe so die gleichen Prüfungsbedingungen gehabt wie alle anderen auch. Meine Mitprüflingwaren nur überrascht, dass ich mit Stoma so etwas überhaupt mache und dass es geht. Sie haben das auch erst in der Schwimmhalle gesehen, dass ich nicht ganz gesund bin. Ja, es geht, mit Stoma diesen Weg zu meistern! Sonntag kam dann das Prüfungsergebnis und ich habe bestanden – ich bin jetzt Multiplikator Schwimmen / Rettungsschwimmen der DLRG! Mit diesem Ergebnis und dem vielen Lob vom Prüfer bin ich superglücklich. Jetzt passierte aber einiges mit meinem Körper, womit ich nicht gerechnet hatte.

Wie ist mein Stoma mit dem Stress umgegangen?

Mein Stoma hat an diesem Wochenende über schon wenig Stuhl produziert, was tatsächlich am Stress lag. Das kenne ich aber auch schon aus der Zeit vor dem Stoma, dass mein Darm stressbedingt immer die Arbeit runterfährt. Die Tränen liefen erstmal unkontrolliert, das waren sicher Glückstränen. Aber mir war dann nur noch kalt, ich war erschöpft und mir wurde regelmäßig übel. Die Fahrt nach Hause war super anstrengend, obwohl ich selbst gar nicht fahren musste. Ich wollte nur noch schlafen, ich fühlte mich richtig krank. Ich wusste, wie sehr mich die Prüfung anstrengen würde und was das mit mir machen kann. Die nächsten Tage habe ich mich viel ausgeruht und gehe auch jetzt noch alles langsam an und achte auch auf Pausen. Mein Stoma hat ab Montag wieder normal gearbeitet und es mir auch nicht weiter übel genommen. Wichtig ist jetzt, immer noch ruhiger zu treten, um so einen Stress zu vermeiden. Jetzt ist die Prüfung vorbei und geschafft, hier im Bereich Schwimmen/ Rettungsschwimmen gibt es auch keine weiteren Prüfungen mehr für mich. Jetzt bin ich Prüfer! Hier kann ich nur sagen, achtet immer auch euch und wenn es Stressmomente gibt, plant euch die nötigen Pausen ein. Stress kann der Körper und das Stoma mal ab, aber nicht in der Endlosschleife. In diesem Sinne mache ich jetzt erstmal Pause… Eure Melli

Melanie Landsberg Rettungsschwimmerin

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