Warum Physiotherapie für mich und mein Stoma so wichtig ist

Moin ihr Lieben,

immer mal wieder bekomme ich mit, dass sich Stomaträger über merkwürdige Bauchschmerzen äußern und keiner genau weiß, was das ist. Auch mir ging es eine ganze Zeit so. Noch bevor ich das Stoma bekam, hatte ich diverse Bauchoperationen auf Grund meines Morbus Crohns. Mein Darm hatte sich immer wieder so stark entzündet, dass Teile entfernt werden mussten. Jede Operation bildet Narbengewebe im Bauchraum aus. Manche spüren diese „Verwachsungen“ deutlich, manche gar nicht. Nach den ersten Operationen habe ich davon nichts gespürt, später änderte sich das deutlich. Ich spürte ein deutliches Ziehen und Reißen im Bauch, manchmal so stark, dass ich ohnmächtig wurde. Das Narbengewebe hat an der Bauchdecke gezogen und das tat höllisch weh. Bei mir ist das Narbengewebe mit der Bauchdecke und dem Darm verbunden. Je mehr sich der Darm bewegt, desto mehr kann er den Schmerz über die Bauchdecke auslösen. Auch andere Organe sind mit dem Narbengewebe verwachsen. Um das überhaupt aushalten zu können, wurde ich mehrmals nur auf Grund des Narbengewebes operiert, was wiederum neues Narbengewebe entstehen ließ – ein Teufelskreis.

2013 bekam ich dann den Tipp, ich sollte mir das Narbengewebe (Verwachsungen) weich massieren lassen. Je weicher und geschmeidiger, desto weniger Schmerzen löst es aus. Also habe ich dann mit der Krankengymnastik angefangen, was manchmal nicht wirklich angenehm ist. Es bringt aber eine ganze Menge. Ich habe seitdem keine Operation gehabt, bei der nur Narbengewebe entfernt wurde.

Mellis Erfahrung mit Physiotherapie

Mit der Krankengymnastik sollte so schnell wie möglich nach der OP begonnen werden, umso leichter wird das Gewebe weich. Der Physiotherapeut massiert das Gewebe und merkt auch genau, wo es nötig ist. Alleine versuche ich das zwar auch, komme aber nicht so richtig an die Stellen. Das macht die Fachkraft viel besser. So gehe ich einmal die Woche in die Praxis und lasse mir den Bauch massieren. Wenn ich nicht kann, merke ich nach maximal drei Wochen Pause, wie sich das Gewebe wieder verhärtet und ich wieder Schmerzen bekomme. Gott sei Dank nicht mehr so stark wie früher und dann freue ich mich schon wieder auf den nächsten Besuch bei meinem Physiotherapeuten. Auch mein Stoma freut sich über die Besuche beim Physiotherapeuten, denn wenn die Verwachsungen zu hart werden, beeinträchtigt es das Stoma. Die Förderung wird dann schwierig und unangenehm. Sprecht mit eurem Arzt, mir hilft die Physiotherapie seit Jahren. Meine Lebensqualität ist deutlich besser.

Wir sind ja gerade erst umgezogen und ich musste mir daher einen neuen Physiotherapeuten suchen. Das war gar nicht so einfach. Ich habe mich also ans Internet gesetzt und die Umgebung durchforstet. Da bin ich auf eine Praxis gestoßen, die nur ein paar Minuten zu Fuß weg ist. Ich habe angerufen und auf dem Anrufbeantworter mein Anliegen geschildert. Ich bekam schnell einen Rückruf und der Physiotherapeut sagte mir, dass er mir nicht helfen kann, alles in allem viel zu kompliziert. Ok, ich hätte wohl auf dem Anrufbeantworter weniger Text und detaillierte Informationen lassen sollen. Im direkten Gespräch verstand er dann, was ich genau wollte. Nachdem er sich noch Gedanken gemacht hatte und es ein weiteres Telefonat gegeben hatte, sind wir übereingekommen, es miteinander zu versuchen. Jetzt gehe ich heute schon das vierte Mal hin und es passt perfekt. Der Umzug hat meinen Bauch und mich sehr gestresst. Mein neuer Physiotherapeut und ich passen zusammen. So bin ich da wirklich glücklich und hoffe auch, dass es so bleibt. Sehr gute Physiotherapeuten zu finden, ist gar nicht so einfach. Wenn ihr sucht, hört auf euer Bauchgefühl und lasst euch nicht gleich abwimmeln. Ein direktes Gespräch mit etwas Zeit hilft.

Ich wünsche euch ganz viel Glück!  Passt auf euch auf und bleibt Gesund!

Eure Melli