Was ist ein High Output Stoma?

Ein High Output Stoma (HOS) bezeichnet ein Stoma mit erhöhter Ausscheidungsmenge (High Output = hohe Ausfuhr). Wir sprechen von über 1.000 ml Stomaförderung am Tag.

Die meisten Stomaanlagen befinden sich im Bereich des Dickdarms (Colostomie). Hier wiederum ist die häufigste Anlage im S-förmigen Teil des Dickdarms, ca. 20–30 cm vor dem natürlichen Ausgang. Wird ein Dünndarmausgang (Ileostomie) angelegt, so ist dieser meist im letzten Abschnitt des Dünndarms, kurz vor dem Übergang in den Dickdarm. Nach Anlage eines Dünndarmstomas kommt es häufig zu benannten erhöhten Ausscheidungsmengen. Betroffene müssen ihren Beutel 6 – 10-mal am Tag entleeren und verlieren zu viel Flüssigkeit.

Was ist eine normale Ausscheidungsmenge?

Bei geschätzten 8 Minuten pro Tag verbringen ein gesunde Europäer*innen im Laufe ihres Lebens hochgerechnet 3.466 Stunden oder 144 Tage auf der Toilette (bei 70 Lebensjahren).

In diesen 70 Lebensjahren hat unser Darm gut zu tun. Wir verzehren ca. 30 Tonnen Speisen und trinken ca. 50.000 Liter Flüssigkeit. Gesunde Mitteleuropäer*innen produzieren im Durchschnitt 100–250 g Kot am Tag.

Haferflocken und Bananen

Kehren wir zurück zum High Output Stoma. Die Ausscheidungsmenge liegt hier bei über 1.000 ml dünnflüssigem Stuhl am Tag. Im Fall eines Dünndarmstomas ist der Dickdarm nicht mehr an der Verdauung beteiligt. Seine wichtige Funktion entfällt: Flüssigkeit und Elektrolyte aus dem Darminhalt aufzunehmen und den Stuhl einzudicken. Der Dünndarm kann die Aufgaben des Dickdarms nur teilweise übernehmen. Ein Nichterkennen und die daraus folgende Nichtbehandlung eines HOS führt zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen. Stomaträger*innen können selbst viel zur Komplikationsvermeidung beitragen.

Worauf sollten Stomaträger*innen achten?

  • Überwachen Sie Ihre Ein- und Ausfuhr mit Hilfe eines Ein- und Ausfuhrplans.
  • Wiegen Sie sich möglichst täglich: Ihr Gewicht sollte stabil bleiben.
  • Beobachten Sie Ihren Hautzustand. Überprüfen Sie Ihre Hautspannung mittels Fingertest, die Hautfalte am Unterarm sollte sich zurückbilden.
  • Beobachten Sie Ihre Urinausscheidung hinsichtlich Häufigkeit und Farbe.
  • Nehmen Sie Ihre Mahlzeiten regelmäßig ein.
  • Überprüfen Sie regelmäßig mit Ihrem Hausarzt die empfohlene Medikation.

Bei welchen Symptomen sollten Sie Ihre Ärztin / Ihren Arzt kontaktieren?

  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Niedriger Blutdruck und gleichzeitig schneller Puls
  • Vermehrtes Durstgefühl und dunkler Urin
  • Extreme Abgeschlagenheit und Müdigkeit

Mittels Blutuntersuchungen kann die Ursache Ihrer Beschwerden schnell festgestellt werden.

Wie wird behandelt?

Am wichtigsten ist es, den aus dem Gleichgewicht geratenen Flüssigkeitshaushalt wieder zu stabilisieren. Es kann sein, dass die Gabe von Infusionen nötig ist. Medikamente mit stuhleindickender Wirkung werden verordnet. Aber auch quellende/stopfende Nahrungsmittel sollten angewendet werden. Kartoffeln, Reis, Haferflocken und Bananen sind nur einige Beispiele. Auch Flohsamen haben eine stark quellende Wirkung. Obwohl Betroffene mit einem High Output Stoma eine stark erhöhte Ausscheidungsmenge haben, müssen auch sie ausreichend trinken.

Auf ausreichende Flüssigkeits- und Kochsalzzufuhr ist zwingend zu achten! Die empfohlene Trinkmenge ist ca. 2 Liter pro Tag. Wenn Säfte getrunken werden, empfiehlt es sich, diese zu verdünnen und einzudicken. Dafür geeignet sind Schmelzhaferflocken, Hafer- oder Reisschleim. Die Verträglichkeit ist so viel besser.