Wann sind Orthopädische Einlagen sinnvoll?

Orthopädische Einlagen gehören zu den am häufigsten verschriebenen Hilfsmitteln. Wir haben bei Orthopädieschuhtechnikermeister Jonas Friedrich nachgefragt, worauf Betroffene achten sollten.

Hallo Herr Friedrich, was sind orthopädische Einlagen und wann sind sie das richtige Hilfsmittel?

Orthopädische Einlagen dienen der unterstützenden Therapie verschiedener Fußfehlstellungen. Auch bei Druckstellen, die entlastet werden sollen, kommen Einlagen zum Einsatz. Im Vordergrund steht oft die Linderung von Schmerzen oder eine Präventivmaßnahme vor schweren Verläufen. Orthopädische Einlagen werden immer individuell gefertigt.

Wie wirken sich Fehlstellungen aus und was können Einlagen hier bewirken?

Unsere Füße leisten täglich Schwerstarbeit. Sie tragen unser gesamtes Körpergewicht und bilden das Fundament unseres Körpers. Bewusst wird uns das oft erst, wenn etwas nicht stimmt und wir Schmerzen in den Füßen verspüren. Fußfehlstellungen wirken sich auch häufig auf Knie, Hüftgelenk und den Rücken aus. Auch Kopfschmerzen können durch Fußdeformitäten verursacht  werden. Orthopädische Einlagen unterstützen die Funktion der Muskulatur, den Gang und die Körperhaltung. Bei einer Arthrose im Knie kann man mit orthopädischen Einlagen der einseitigen Belastung entgegenwirken. Auch bei einer Beinverkürzung von bis zu 1,5 cm können wir einen Ausgleich durch Einlagen schaffen. Fersensporn kann durch eine Therapie mit Einlagen abgebaut werden.

Wenn ich als Patient jetzt zu Ihnen komme mit einem Rezept für orthopädische Einlagen, habe ich dann selbst auch die Wahl zwischen verschiedenen Modellen oder Materialien?

Grundsätzlich werden die Art und Ausführung der orthopädischen Einlage vom Arzt festgelegt. Grundlage dafür ist die gesicherte Diagnose und eine genaue Spezifikation. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Einlagen: stützende Einlagen, bettende Einlagen, Weichbettungseinlagen, Schaleneinlagen und Einlagen für besonders stark deformierte Füße. Bei all diesen Ausführungen handelt es sich um passive Einlagen. Es gibt aber auch sensomotorische Einlagen, auch aktive Einlagen genannt. Diese geben nicht nur Halt, sie regen gezielt die Muskulatur an. Sensomotorische Einlagen kommen zum Einsatz, wenn Fußfehlstellungen neurologisch bedingt sind, z. B. bei Spastikern, die nur auf dem Spitzfuß laufen. So kann eine muskuläre Dysbalance ausgeglichen werden und der Gang wieder normalisiert werden. Sie als Patient haben bei uns die Wahl zwischen einem Standard-Modell, das von der gesetzlichen Krankenkasse nach ärztlicher Verordnung gezahlt wird oder einer höherwertigen Einlage, die zusätzliche Vorteile bietet.

Welche sind das? Wozu raten Sie Ihren Patientinnen und Patienten?

Grundsätzlich zeichnet sich jede unserer orthopädischen Einlagen durch hohe Qualität aus. Dennoch empfehle ich häufig das Premium-Modell, da dieses durch die Materialeigenschaften und Materialkombination einen noch besseren Fußkomfort und ein optimales Fußklima garantiert.

Gut zu wissen und jetzt mal ganz praktisch gefragt: wie viel kosten mich die Einlagen, wie oft habe ich Anspruch auf ein neues Paar und wie lange muss ich auf meine Einlagen warten?

Wenn Sie als gesetzlich Versicherter nicht zuzahlungsbefreit sind, fällt – wie bei allen medizinischen Hilfsmitteln – die gesetzliche Zuzahlung in Höhe von 10% der Versorgung, aber nicht mehr als 10 Euro an. Entscheiden Sie sich für ein Premium-Modell, kommt die wirtschaftliche Aufzahlung dazu. Grundsätzlich stehen Ihnen zwei Paar Einlagen pro Jahr zu. In Ihrem Sanitätshaus werden Ihre Füße durch einen Scan oder Trittschaum analysiert und nach etwa einer Woche sind die Einlagen dann fertig.

Wann wird der Scan angewendet und wann der Trittschaum?

In der Regel wird gescannt, denn durch die Digitalisierung kann eine schnelle und präzise Bearbeitung gewährleistet werden. Bei besonders schwierigen Füßen brauchen wir allerdings manchmal zusätzlich den Trittschaum. So erhalten wir ein umfassenderes Bild. Nun gibt es auch frei verkäufliche Einlagen, die man bspw. über Anbieter im Internet kaufen kann. Was halten Sie von dieser Art Einlagen? Solche Einlagen bieten wenig Individualität und sind damit nicht auf die Bedürfnisse des jeweiligen Trägers abgestimmt. Sie enthalten keine orthopädischen Elemente und wurden nicht nach Maß durch einen Orthopädieschuhtechniker angefertigt. Es handelt sich also nicht um ein medizinisches Hilfsmittel. Bei uns werden die Einlagen der Patienten individuell gefertigt, anprobiert und gegebenenfalls im Nachhinein noch angepasst.

Mehr zu dem digitalen Scan erfahren Sie hier.

Kürzlich war in den Medien auch von „Online-Versorgern“ für orthopädische Einlagen zu lesen. Wie ist Ihre Meinung als Fachmann dazu?

Ich sehe das sehr kritisch. Für einen Behandlungserfolg halte ich eine fachlich versierte Betreuung durch Arzt und Orthopädieschuhtechniker für zwingend erforderlich. Das heißt im Klartext: ohne fachmännische Maßnahme, Fertigung und abschließende Passformkontrolle durch einen Orthopädieschuhtechniker besteht ein großes Risiko für eine Fehlversorgung, die im schlimmsten Fall zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Auch das Einpassen der Einlagen in das Schuhwerk entfällt bei einer reinen Online-Versorgung.

Welche Tipps haben Sie für den Gebrauch und die Pflege der Einlagen?

Zunächst ist es wichtig, dass Schuhe und Einlagen aufeinander abgestimmt sind. Bringen Sie deshalb Ihre Schuhe mit zu uns. Eventuell ist eine langsame Gewöhnung an die Einlagen nötig. Untersuchen Sie Ihre Füße gerade in den ersten Tagen gründlich auf Druckstellen oder Hautrötungen. Ganz besonders wichtig ist das bei Diabetikern. Einlagen sollten nicht auf der Heizung oder an anderen Wärmequellen getrocknet werden. Das kann zu Passformverlust oder Materialveränderungen führen. Lassen Sie Ihre Einlagen halbjährlich durch den Orthopädieschuhtechniker kontrollieren, um möglichen Verschleiß bei Dämpfung und Stützung rechtzeitig zu erkennen.

Herr Friedrich, vielen Dank für diese interessanten Einblicke!