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BZgA: 50 Jahre Prävention und gesundheitliche Aufklärung

10.07.2017

Gesundheitskompetenz für die Bevölkerung: wissenschaftsbasiert und qualitätsgesichert

Köln, 06. Juli 2017. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird 50 Jahre alt: Gegründet am 20. Juli 1967, trägt die Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit mit ihrem Sitz in Köln seit einem halben Jahrhundert mit bundesweiten Präventionsmaßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung der Bevölkerung bei. Aufgabe der BZgA ist es, der Bevölkerung qualitätsgesicherte, fachlich fundierte und zielgruppengerecht aufbereitete Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen. Sie unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln, um in gesunden Verhältnissen aufwachsen, leben, arbeiten und gesund älter werden zu können.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erklärt dazu: „Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Gesundheitswesens geworden. Seit 50 Jahren informiert sie Bürgerinnen und Bürger mit großem Einsatz - und oft auch mit Humor - zu wichtigen Gesundheitsfragen. Dabei hat sie bewiesen: Gesundheitsförderung wirkt! Mit dem Präventionsgesetz haben wir dafür gesorgt, dass hochwertige Angebote der Gesundheitsförderung dorthin getragen werden, wo Menschen leben, lernen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen - in die Kita, Schule, an den Arbeitsplatz, in die Pflegeeinrichtung oder ins Stadtquartier. Dabei unterstützt die BZgA die Krankenkassen mit ihrem Fachwissen. Mein besondere Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BZgA, die mit ihrem Einsatz zur Erfolgsgeschichte der BZgA beigetragen haben.“

Familienministerin Dr. Katarina Barley betont: "Junge Menschen sollen über ihr Leben und Lieben selbst bestimmen können. Dass sich Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland gut aufgeklärt fühlen, ist ein Erfolg, den wir ganz besonders der Arbeit der BZgA zu verdanken haben. Seit einem halben Jahrhundert vermittelt sie einen guten Zugang zu allen Fragen rund um Sexualität und Familienplanung. Das ist ein Auftrag, der in Zeiten moderner und schneller Medien nicht unbedingt leichter geworden ist. Ich danke der BZgA für ihre Arbeit und gratuliere herzlich zum Jubiläum."

Die langjährige Präventionsarbeit der BZgA hat sich bewährt. Die seit 1987 bestehende Aufklärungskampagne „Gib AIDS keine Chance“ zählt beispielsweise zu den erfolgreichsten Präventionskampagnen, die die Gesundheit der Bevölkerung positiv beeinflusst haben. So weist Deutschland nach drei Jahrzehnten AIDS-Aufklärung heute bei den HIV-Infektionszahlen im europäischen Vergleich eine niedrige Neuinfektionsrate auf. Immer mehr Menschen schützen sich mit Kondomen: Waren es 1988 rund 54 Prozent der über 16-Jährigen, sind es heute 91 Prozent. Die Kampagne, ergänzt um das Themenfeld weiterer sexuell übertragbarer Infektionen (STI), wird seit 2016 unter dem Namen LIEBESLEBEN fortgesetzt.

Nachhaltig ist auch die seit 2002 laufende „rauchfrei-Jugendkampagne“ der BZgA, die sich an unter 18-Jährige richtet. Die Raucherquote bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren ist derzeit auf einem historischen Tiefstand: Rauchten 2001 noch 28 Prozent dieser Altersgruppe, waren es 2015 nur noch knapp acht Prozent. Ebenfalls Wirkung zeigt die Alkoholpräventions-kampagne „Alkohol? Kenn Dein Limit.“, die Jugendliche und junge Erwachsene anspricht: Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, ist von rund 21 Prozent in 2004 auf zehn Prozent in 2016 gesunken.

Dieses Erfolgsmodell, basierend auf den Daten der Grundlagenwissenschaften, will Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, in enger Kooperation mit den langjährigen Partnern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene weiterentwickeln: „Die Zugangswege der Menschen zu Informationen und ihre Mediennutzung ändern sich. Sie informieren sich zunehmend aktiv über Gesundheitsthemen und werden dabei mit einer Vielzahl von Informationen unterschiedlicher Qualität konfrontiert. Sie als verlässlicher Partner zu begleiten und ihre Gesundheitskompetenz mit wissenschaftsbasierten, gut verständlichen und unabhängigen Informationen und Angeboten zu fördern, wird auch in Zukunft die Aufgabe der BZgA sein. Gleichzeitig wollen wir gesundheitsfördernde Strukturen in den Lebenswelten und qualitätsgesicherte Angebote stärken“, so Dr. Thaiss.

Die Informationen und Maßnahmen der BZgA zeigen deutlich den Wandel der Präventionsarbeit in den letzten 50 Jahren: Standen in den 1960er-Jahren eher Konzepte der Abschreckung im Mittelpunkt wie in dem Film „Der Tod gibt eine Party“, wurde in den 1970er-Jahren
verstärkt auf einen belehrenden Stil mit erhobenem Zeigefinger gesetzt mit Appellen wie „Du sollst … Du darfst nicht“.

Die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung, an der die BZgA mitgearbeitet hat, brachte 1986 einen Paradigmenwechsel: Gesundheit war nicht mehr nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern wurde in einem umfassenden Sinne verstanden, der körperliche, seelische und soziale Aspekte berücksichtigt. Ziel war es fortan, den Menschen mehr Selbstbestimmung über ihre eigene Gesundheit zu ermöglichen.

Zu Beginn der 1990er-Jahre fand, ausgehend vom Nationalen Rauschgiftbekämpfungsplan, eine inhaltliche Veränderung der Drogenprävention statt - weg von ausschließlicher Informationsvermittlung und Abschreckung hin zur Förderung der Lebenskompetenz mit einem schon im frühen Kindesalter ansetzenden Programm zur Suchtvorbeugung. Die BZgA hat dazu die Kampagne „Kinder stark machen“ entwickelt.

Seit 2007 hat sich das Aufgabenspektrum deutlich erweitert: So wurde das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) bei der BZgA angesiedelt und mit dem Programm „Gesundes Alter“ ein weiterer Schwerpunkt auf die Gesundheit älterer Menschen gelegt. Seit 2012 informiert zudem die bundesweite Initiative „Trau dich!“ zum Thema sexueller Missbrauch.

Ein wichtiger Meilenstein für die Präventionsarbeit in Deutschland ist das am 25. Juli 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention. Der BZgA werden durch das Gesetz neue zusätzliche Aufgaben zugewiesen. Dazu gehört die Geschäftsstelle der Nationalen Präventionskonferenz, deren Aufgabe es ist, die Mitglieder der Präventionskonferenz bei der Entwicklung der Nationalen Präventionsstrategie zu unterstützen. Außerdem unterstützt die BZgA die gesetzlichen Krankenkassen bei der Präventionsarbeit und der Qualitätsentwicklung in Lebenswelten.

Prävention und Gesundheitsförderung werden heute als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen - so arbeitet die BZgA eng mit einer Vielzahl von Kooperationsverbünden und Netzwerken zusammen. Jüngste Beispiele sind das Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung (NAWIB) zur Laienreanimation und seit Ende 2016 die Geschäftsstelle der Nationalen Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie Diabetes mellitus.

Qualitätssicherung nimmt für die Arbeit der BZgA eine bedeutende Rolle ein. So stellen die regelmäßigen wissenschaftlichen Untersuchungen zu Wissen, Einstellungen und Verhalten zu Gesundheitsthemen in der Bevölkerung, z.B. zum Impfen und zur Hygiene, zum Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener oder zur Drogenaffinität, wichtige Bausteine dar. Seit einigen Jahren werden Instrumente des Qualitätsmanagements für die eigene Arbeit entwickelt, die auch anderen Institutionen zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehört auch die Wirkungsanalyse der Aufklärungsmaßnahmen. Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt ist die Entwicklung und Festlegung von Qualitätsstandards. Denn Qualitätsentwicklung und -sicherung sind Voraussetzung für zielgerichtete und wirksame Maßnahmen mit adäquater Mittelverwendung für einen nachhaltigen Erfolg der Präventionsarbeit.

Mit ihrer Erfahrung aus 50 Jahren gesundheitlicher Aufklärung ist die BZgA im Verbund mit ihren Kooperationspartnern gerüstet, um sich den neuen zukünftigen Herausforderungen im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit zu stellen und die Gesundheitskompetenz der Menschen und ihrer Umgebung zu stärken, damit Prävention und Gesundheitsförderung neben Kuration und Rehabilitation in Zukunft den gebührenden gesellschaftlichen Stellenwert erhalten.

Eine filmische Retrospektive finden Sie unter:
http://www.bzga-avmedien.de/

Quelle und weitere Informationen:
http://www.bzga.de/

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