Der Tanz auf der Erbse – Sitzflächenperformance, Talent ist nicht genug

Oft reden wir von Talent, das Talent, welches andere natürlich haben und wir vermeintlich nicht. Das ist eine Ausrede, wir werten damit die mitunter beharrliche Arbeit ab, die jemand mit Talent investieren muss, damit dieses sich schließlich entfalten kann, um uns selbst einen Vorwand zu liefern, bloß nicht anzufangen. So, das musste mal gesagt werden!

Ein Freund und begnadeter Zeichner machte mich neulich darauf aufmerksam, als wir wieder einmal eines dieser philosophischen Gespräche hatten, die gelegentlich dazu geeignet sind, die ursprüngliche Zeit- und Terminplanung komplett zu sabotieren. Egal wo euch die Leidenschaft hintreibt, Talent ist nur der Samen: Entweder ihr gießt und düngt ihn, indem ihr der Leidenschaft folgt und ihr Zeit und Energie wittmet oder ihr kippt eine Ladung Zement drauf, lasst das ganze gut trocknen und begnügt euch damit, dass ihr felsenfest beschlossen habt, ‚Talentfreie Zone‘ zu sein, während alle anderen exakt diese eine notwendige Zutat eben haben – Talent.

Abgesehen davon, dass jeder Talente in ganz bestimmten, individuellen Bereichen hat, braucht es dann aber gerade auch für uns Sportler knallharte und messbare Performance. Seit letztem Jahr fahre ich nun, nach einigen Jahren des Tanzsportelns, einen extrem leistungsstarken Aktivrollstuhl. Und – ohne Witz – ich freue mich jeden Morgen auf diesen Moment, wo ich das Haus verlassen darf und mit meinem ‚Feuerstuhl‘ mich ins Leben stürzen kann – ein sehr aktives Leben.

Neulich dann die Erkenntnis: ‚Jetzt geht’s zu Ende, Erik,… du schrumpfst!‘ – zumindest im Sitzen.

Auf der Tanzfläche kommt es zwar nicht (nur) auf die Größe an. Jedoch, wenn du sichtbar sein willst, hilft jeder Zentimeter mehr. Das einerseits und andererseits beschlich mich zunehmend das Gefühl, dass meine aufrechte Haltung abnehmend war und sich nach jedem Training ein Quäntchen mehr zwischen den beiden Sitzflächenrohren meines Wagens zu verkrümeln drohte.

Wenn die Sitzflächenbespannung mit der Zeit kontinuierlich nachgibt, dann hilft gerade Haltung und Körperspannung und persönliche Präsenz relativ wenig – das wird dir spätestens klar, wenn sich die Schultern auf Rückenlehnen und schließlich auf Seitenlehnenniveau einpendeln und dein Sitz zum alles verschlingenden Moor wird. Und es kann nur einen Ausweg geben! EXPERIMENTE mit dem klaren Ziel, eine Lösung zu finden.

Zusammen mit den kreativen Köpfen meines Reha-Ausstatters der GHD GesundHeits GmbH hier in Osnabrück haben wir jetzt im Endspurt für die Weltmeisterschaften im Para Dance Sport einiges ausprobiert, um mich aus diesem alles verschlingenden Sumpf zu ziehen. Da war am Anfang gar nicht sicher, ob das Kissen oder die Klettband-Sitzbespannung des Aktivrollstuhls verantwortlich für das Absinken der Sitzposition war. Beides, das ist nun klar! Das Sitzkissen passt sich der schwindenden Festigkeit der Sitzbespannung an, umso mehr Du aktiv unterwegs bist und umso weicher auch das Kissen ist.

Wichtig ist ein ganz individueller Mix aus angepasstem Sitzkissen und stabiler Sitzposition. Deine persönliche Situation und was Du mit Deinem Rollstuhl tagtäglich anstellen möchtest, das ist es was zählt. Lass Dich also wirklich kompetent beraten, damit dein Rollstuhl dich enthindert und nicht behindert!

Dabei muss nicht jeder so sportlich und gleichzeitig auch butterweich gebettet sein, wie es im Tanzsport hilft, um perfekt mit seinem fahrbaren Untersatz zu verschmelzen. Wir brauchen das, um aus Körper und Sportgerät eine Einheit zu bilden. Spüren müssen wir den Untersatz – sprichwörtlich wie die Prinzessin auf der Erbse.

Das neugierige Experimentieren und leidenschaftliche Ausprobieren hat sich gelohnt, wir haben die perfekte Mischung aus stabilem Sitz und polsterndem Sitzkissen gefunden. Der Tanz auf der Erbse kann beginnen! Nur noch wenige Tage bis zur Weltmeisterschaft in Bonn! Ich freue mich riesig!