Erfahrungen mit dem E-Rolli: „Man muss sagen können, darin fühle ich mich wohl“

Elektrorollstühle sind eine gute Möglichkeit, bewegungseingeschränkten Personen mehr Selbstständigkeit zurückzugeben. Doch in welchen Situationen sind diese geeignet? Worauf sollte ich achten und welche Unterschiede gibt es? Wir haben bei unserem Mitarbeiter Andreas Wiesenbach nachgefragt, der selbst einen E-Rolli nutzt.

Andreas nutzt seit 2004 einen E-Rolli, vorher war er ausschließlich im Aktiv-Rollstuhl unterwegs. Er habe sich aufgrund der intuitiven Bedienung aber rasch zurechtgefunden „Ich bin ein Naturtalent“, sagt der 38-jährige. Aber er ist sich sicher, dass auch andere schnell den Dreh raus haben: „Klar, man muss sich zurechtfinden und ein Gefühl dafür bekommen, wie man wann abbremsen muss, ohne irgendwo gegen zu donnern“, erzählte Andreas, „aber das geht einem gleich ins Blut über“. Zu Hause nutzt er jedoch nach wie vor seinen Aktiv-Rollstuhl. Das hat ganz praktische Gründe: „Allein durch das Mobiliar ist es schwierig, mit dem E-Rolli in der Wohnung, der ist doch sehr sperrig. Außerdem muss man bei einem Leergewicht von 200 Kilo Angst haben, dass man aus Versehen mal einen Fuß erwischt“, sagt der gelernte Bürokaufmann und lacht.

Ein Fahrtraining bekam Andreas nicht. Durch bereits gesammelte Erfahrungen im Hockey mit dem E-Rolli sei das nicht notwendig gewesen. „Normalerweise ist das aber üblich, der Kostenträger möchte auch, dass man das neue Hilfsmittel richtig nutzen kann“, so Wiesenbach. Die Modellauswahl sei dabei mit einem Autokauf zu vergleichen – ob Front-, Mittel- oder Heckantrieb, ob 6- oder 10 km/h. „Ich habe mich damals für ein Luxusmodell entschieden, es hat einen Frontantrieb und eine Aufstehfunktion, so kann ich auch im Stehen fahren und muss keine Angst haben meine Streckfähigkeit einzubüßen“, erklärte er. E-Rollis können bis zu 16 km/h schnell sein. Wiesenbach nutzt seinen 10 km/h schnellen E-Rolli zum Einkaufen und für die Arbeit. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass man im Straßenverkehr genauso aufmerksam sein müsse wie ein Autofahrer. „Man muss alle Sinne beisammenhaben“, sagt Andreas, „bei Modellen, die schneller als 6 km/h, also schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren, braucht man eine TÜV-Zulassung, eine Versicherung und ein kleines Nummernschild, wie für einen Roller“. Zusätzlich seien Warnblinker, Frontscheinwerfer und Hupe aufgrund der StVO ebenfalls notwendig.

Wie bei einem Auto kann der Rollstuhl auch individualisiert werden, dabei sind viele Optionen wählbar: „Man kann sich natürlich die Farbe aussuchen, ob es ein Stoffsitz oder ein Ledersitz sein soll, wobei ich Leder im Sommer nicht unbedingt empfehlen kann. Von der Kathetertasche bis zum Rucksack kann man alles Mögliche anbringen“, erzählt der 38-jährige. Hierbei sei aber auch der Hersteller des E-Rollis entscheidend, da verschiedene Unternehmen verschiedenes Zubehör anböten. Doch fehlen Andreas manche Spezifikationen „Winterreifen gibt es leider nicht. Schneeketten wären hier echt super, gerade wenn es glatt ist, muss man ein Gefühl dafür bekommen, wie man abbremsen muss. Das Einzige, was man hier vorbeugend machen kann, ist, sich die Reifen mit dem gröbsten Profil auszusuchen“. Gegen Wind und Wetter könne man sich jedoch mit Regencape und Regenschutz gut wappnen. Diese gehören zusammen mit einem Rucksack zu seiner Standardausrüstung.

E-Rolli-Test

Doch wie entscheide ich mich bei der großen Auswahl für das richtige Modell? Wiesenbach sieht das pragmatisch: „Man sollte sich fragen, wozu ich einen E-Rolli brauche. Das ist wie bei einem Autokauf, da frage ich mich auch zunächst, wie viel PS ich brauche und ob ich viele Fahrwege habe. Am Ende ist es natürlich auch Geschmacksache“. Probefahrten mit verschiedenen Modellen seien hierbei sehr empfehlenswert, da man in jedem Modell anders sitzt und sich jedes Modell anders fahren ließe. „Man muss sagen können, darin fühle ich mich wohl“, so der erfahrene E-Rolli Nutzer. Und was, wenn ich den passenden Rolli gefunden habe, der Kostenträger jedoch nein sagt? Da ist Wiesenbach sich sicher: „Nicht vor Widerspruch scheuen! Da sollte man sich zusammen mit seinem Sanitätsberater eine gute Argumentationsgrundlage zurechtlegen und die Absage gut begründen können. Hartnäckigkeit kann sich hier aber lohnen“. Umso besser, dass kompetente Sanitätsberater bei der GHD GesundHeits GmbH Deutschland leicht zu finden sind und die Auswahl an E-Rollis und deren Zubehör kaum einen Wunsch offenlässt.